Kurz Nachgeprüft – AMD Radeon RX 460 im Re-Test

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Vergangenen Oktober habe ich mich selbst beschenkt, wobei andere sagen würden ich hätte mir selbst die Pest an den Hals gehext. Eine damals relativ neue AMD Radeon RX 460 wurde erstanden und ich begann mit den Tests für mich und für Holarse. Das Ergebnis war teilweise erschreckend (hier nachzulesen). Seitdem sind einige Treiber-, Kernel-, und Mesa-Updates erschienen. Ob die RX 460 mittlerweile besser unter Linux funktioniert? Zeit für einen Re-Test & Erklärung.

Vorwort

Seit kurzem steht Ubuntu in Version 17.04 bereit. Das heißt auch, dass man mit ein bisschen Mühe unter älteren LTS 16.04 Installationen einen aktuelleren Kernel als 4.4.0 fahren kann. Das Stichwort hierbei heißt „LTS Enablement Stacks“, ein ‚Nachfolger‘ zur früheren Methode zurückportierte Kernel zu verwenden. Wer über diesen Artikel hinaus mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem sei das UbuntuUsers Wiki ans Herz gelegt.

Testdurchführung

Zum Testen der Karte habe ich separate Festplatten an das System geklemmt um mein eigentliches OS nicht zu gefährden. Im Anschluss installierte ich den Point-Release 16.04.2 vom 16. Februar 2017. Hier sind linux-generic-hwe-16.04 und xserver-xorg-hwe-16.04 bereits aktiviert, sodass ein 4.8er Kernel und ein aktuellerer X-Server bei Installation ausgeliefert werden.
Wer seine ältere Ubuntu-Instanz auf den Stand von 16.04.2 bringen möchte, der erfährt im Wiki von Ubuntu.com wie dies mit einem Terminalbefehl zu bewerkstelligen ist. Für die Faulen (und Unvorsichtigen) hier bereits vorab der Befehl.

sudo apt-get install --install-recommends linux-generic-hwe-16.04 xserver-xorg-hwe-16.04 

Ich empfehle jedoch den dazu gehörenden verlinkten Artikel zu lesen.

out of the box

Das Systen ist also frisch installiert, Noch fix Phoronix Test Suite in Version 7.0.1 als DEB von der Homepage geladen und eingespielt. Dann ging es auch schon los. Getestet wurde aus persönlicher Präferenz mit Suite Nummer 17 (pts/gaming). Diese enthält die Spiele/Demos Nexuiz, Warsow, ppracer(nur 32bit), Tremulous, OpenArena, Urban Terror, World of Padman, Smokin Guns, Enemy Territory: Quake Wars (Demo) und Unreal Tournament 2004 (Demo). Achtung: Der Download der benötigten Dateien kann etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Test-Suite wählt nicht immer den besten Mirror aus.

Ubuntu 16.04.2 Vanilla (ootb)
ETQW-Demo 55,10
Nexuiz 60,31
OpenArena 76,27
Padman 134,90
Smokin Guns 139,10
Tremulous 118,40
UrbanTerror 60,37
UT2004-Demo 75,64
Warsow 57,46

Die Ergebnisse waren erwartungsgemäß nicht überragend, da eine ähnliche Konstellation bereits in der Vergangenheit getestet wurde.

Ein bisschen mehr ‘edgy‘

Im nächsten Schritt wollte ich Ubuntu sinngemäß an seine ‚Grenzen‘ bringen. Via Synaptic suchte ich das Meta-Paket linux-generic-hwe-16.04-edge. Dieses aktualisiert Ubuntu über den PointRelease 16.04.2 hinaus auf den in Ubuntu 17.04 verwendeten Kernel 4.10.x. Nach erledigter Installation (und einem Neustart) wurde die Test-Suite wieder befragt, mit folgendem Ergebnis.

Ubuntu 16.04.2 +hwe-edge
ETQW-Demo 52,23
Nexuiz 61,17
OpenArena 79,37
Padman 140,47
Smokin Guns 142,00
Tremulous 124,37
UrbanTerror 61,37
UT2004-Demo 75,53
Warsow 67,27

Auch wenn bei fast allen Titeln ein ticken mehr Frames pro Sekunde drin war, Meilensteine der Verbesserung sehen anders aus. Dazu kam noch die Messungenauigkeit… allerhöchstens Warsow zeigte mit +10 FPS eine spürbare Verbesserung.

Hilfe von außen

Nun war die Fahnenstange aber noch nicht zu Ende. Abgesehen von dem neueren X-Server-Komponenten des hwe-stack war das System noch immer in etwa auf dem Stand von April 2016. Zeit das Padoka PPA in das System zu hängen und ein Update durchzuführen.

sudo add-apt-repository ppa:paulo-miguel-dias/pkppa
sudo apt-get update
sudo apt-get dist-upgrade

Dieses PPA zaubert unter Ubuntu 16.04 und 17.04 eine aktuellere Mesa-Variante auf das System. Das verschaffte mir einen Versionssprung von 12.0.6 auf 17.0.3 inklusive aller, hoffentlich spürbaren, Verbesserungen dadurch. Wer mit dem Begriff Mesa so rein gar nichts anfangen kann, schaut sich unseren Artikel an oder konsultiert Wikipedia. Lange Rede, kurzer Sinn: Neuer Benchmark!

Ubuntu 16.04.2 +hwe-edge +padoka-stable
ETQW-Demo 60,87
Nexuiz 60,94
OpenArena 71,77
Padman 123,40
Smokin Guns 129,97
Tremulous 108,37
UrbanTerror 57,17
UT2004-Demo 70,16
Warsow 129,20

Hoppla, flüssig dargestellt werden zwar alle Titel noch, jedoch brach fast überall die FPS ein. Lediglich Enemy Territory: Quake Wars und Warsow legten zu, Warsow dafür aber gleich um bemerkenswerte ~100%!

Leben am Limit

Zeit für den, für mich, letzten Strohalm was die Erhöhung der Frames pro Sekunde angeht. Neben dem ‚stabilen‘ Padoka-PPA gibt es ein weiteres das am Rande des Abgrunds manövriert. Der Maintainer bezeichnet dieses PPA ausdrücklich als instabil und verweist nochmals auf die stabile Variante. Ich hatte, dank Testsystem, aber nichts zu verlieren und installierte auch dieses PPA leichtfüßig via

sudo add-apt-repository ppa:paulo-miguel-dias/mesa
sudo apt-get update
sudo apt-get dist-upgrade

Im Ergebnis brachte mir dieser Schritt, neben einigen anderen Updates, einen Sprung von Mesa 17.0.3 auf 17.1-git ein. Neustart (Hurra, X-Server startet noch!) und anschließender Test ergaben die folgende Tabelle:

Ubuntu 16.04.2 +hwe-edge +padoka-edge
ETQW-Demo 60,63
Nexuiz 64,71
OpenArena 74,50
Padman 128,40
Smokin Guns 130,47
Tremulous 107,87
UrbanTerror 60,53
UT2004-Demo 72,24
Warsow 134,95

Nutznießer dieses Updates waren dieses Mal Enemy Territory: Quake Wars, World of Padman, Nexuiz und, erneut, Warsow. Die restlichen Titel stagnierten oder veränderten sich nicht sonderlich.

Gabs da nicht noch was von AMD?

Nun sollte meine Reise an dieser Stelle eigentlich zu Ende sein. Aus einer Laune heraus entschloss ich mich dem offiziellen Treiber von AMD eine Chance zu geben. Hier stolperte ich bereits beim Download. Auf der Linux-Downloadseite von AMD wurde mir nur der mir bekannte alte Treiber 16.40 angeboten. Aus irgendeinem Grund öffnete ich allerdings noch die Anleitung zur Installation unter 16.04.2 und sah mich dort mit einem Downloadlink für den aktuellen Beta-Treiber 17.10 konfrontiert. Mittlerweile wurde dieses behoben und man erhält auch auf der Linux-Downloadseite von AMD einen Direktlink zu 17.10.

Das Paket wurde sodann heruntergeladen, die Schritte der Anleitung befolgt und ich rannte in einen DKMS-Fehler. Bei der Installation konnte der AMD-Treiber sich nicht erfolgreich mit meinem edgy 4.10er Kernel paaren. Blöd. Dann also über Synaptic wieder alle Anzeichen des 4.10er Kernels entfernen, System neu starten und ein erneuter Anlauf. Ich hatte kurz überlegt das edgy padoka-ppa wieder zu deaktivieren und zurück auf stable zu gehen, sah aber keinen Grund dazu und habe die Idee verworfen.
Das mir so vertraute Fehlerfensterchen blieb beim zweiten Installationsversuch aus, was mich neugierig machte. Es folgte noch ein Neustart und ein erneuter Benchmark im Anschluss brachte (teilweise) erfreuliches Zutage.

Ubuntu 16.04.2 +padoka-edge +AMDGPU-PRO Beta Driver 17.10
ETQW-Demo 31.60
Nexuiz 114.04
OpenArena 96.83
Padman 127.30
Smokin Guns 138.20
Tremulous 155.67
UrbanTerror 67.63
UT2004-Demo 69.27
Warsow 107.05

Ja, ist denn heut‘ scho‘ Weihnachten? Von Enemy Territory: Quake Wars einmal abgesehen legten fast alle Titel in der Tabelle teilweise bis ordentlich zu. Nexuiz knackte endlich die 100 fps-Marke, OpenArena legte 20 Punkte zu und Tremulous knackte mit +50 Punkten gar die 150er Linie. Nur World of Padman wollte sich dem Hype nicht anschließen, Warsow revoltierte sogar und lies seine Frames um fast 30 auf immerhin noch 107 absinken. Was Enemy Territory: Quake Wars angeht, so wirkt der Benchmark auf mich so, als wäre dieser warum-auch-immer mit einem Limit auf 30FPS belegt gewesen. Die Anzeige zeigte ab und an einige Millisekunden lang eine Framerate höher als 60, nur um dann wieder durchgängig auf exakt 30 zu fallen, egal wieviel Action gerade auf dem Bildschirm vor sich ging. Unter 30 fiel die Rate faktisch überhaupt nicht. Bedingt durch die kurzen Ausreißer nach oben kam dann wohl auch die Durchschnittsrate von 31,60 zustande. Ich fand auch in einem 2. Lauf keine Erklärung dafür und beließ es dabei.

Ende Gelände

Das zu den Erfahrungen die ich mit der AMD Radeon RX 460 im April 2017 sammeln konnte. Die Treiberdsituation hat sich sowohl auf den freien Treiber als auch auf den Beta-Treiber von AMD deutlich verbessert. Sind die Grafikkarten der RX4xx Reihe denn mittlerweile unter Linux ernstzunehmende Konkurrenz für Nvidia? Vermutlich (noch) nicht. Für die 470er und 480er Serie fehlen mir persönlich die Erfahrungen und die hier getestete AMD Radeon RX 460 mit dem Grafikchip in meinem TUXEDO Book XC1706 zu vergleichen erscheint mir mehr als unfair. Phoronix könnte allen Interessierten eine gute Quelle für weitere Informationen und Vergleiche zwischen den Grafikkarten sein. Auch bleibt abzuwarten, wie AMD die neue Grafikkartenserie RX5xx unter Linux behandeln wird. Eingeschränkt zum Zocken geeignet ist die AMD Radeon RX 460 eigentlich schon. Spiele wie Insurgency, Rocket League oder Cities: Skylines machen grundlegend das was sie sollen (Spaß), auch wenn an der einen oder anderen Stelle mit Einstellungen an der Darstellung gespart werden muss.

Leider, und das möchte ich an dieser Stelle hervorheben, habe ich es versäumt den AMD-Treiber zu testen bevor ich das Padoka-PPA eingepflegt habe. Ein Erfahrungswert wie sich dieser Treiber ohne aktuelles Mesa schlägt entfällt an dieser Stelle deshalb. Auch weisen die von mir für diesen Beitrag erstellten Grafiken den Test der AMD-Treiber nicht aus, was der Tatsache geschuldet ist, dass ich ursprünglich gar nicht in Erwägung zog diese zu testen.

Alles in allem hoffe ich ihr hattet etwas Spaß beim Lesen. Dieser Beitrag verfügt über eine Kommentarfunktion. Wenn euch irgendwelche groben Schnitzer aufgefallen sind oder ihr noch Fragen habt, dürft ihr diese sehr gerne dort stellen. Ich versuche darauf einzugehen und ergänze/korrigiere den Beitrag gegebenenfalls, nicht ohne mich bei euch zu bedanken versteht sich.

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enzenb
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So richtig verführen mich die Testergebnisse immer noch nicht dazu, auf AMD zu wechseln. Am problemlosesten lief bei mir immer die Intel IGPs mit ihren Open-Source-Treibern, aber die sind halt nicht schnell genug für grafikintensive Spiele.

Mit der Ankündigung von AMD auf Open-Source-Treiber zu setzen hatte ich eigentlich gehofft, dass die in Zukunft ähnlich problemlos laufen, aber das hat sich bisher nicht bewahrheitet. Außerdem ist nur AMDGPU Open Source, AMDGPU-PRO hat weiterhin proprietäre Komponenten.

Zhenwu
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Beigetreten: 12.12.2012
Beiträge: 39

Ich hab hier eine HD7790 und den AMDGPU laufen.
Bei mir läuft alles absolut Problemlos :)

Grüße