Besser spät als nie – Starbound im Holarse Review

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Es ist unterschwellig doch immer wieder erheiternd. In dieser unserer Realität zerstören wir unsere kleine süße Erde, bewusst oder unbewusst, mit jedem Tag ein Stückchen mehr. In Videospielen muss dafür immer das ultimative Böse oder Aliens herhalten. So auch in Starbound. Nachdem man den Titel für kleines Geld in einem Humble Bundle grabbeln konnte, wird es nun Zeit für ein lange überfälliges Review zu dieser Mischung aus Minecraft, Secret Maryo Chronicles und Torchlight II für euch.

Akt 1: Alles Boom!

Starbound ist ein 2D-RPG-Bauspiel, ähnlich dem Spielprinzip von Terraria und Minecraft. Man spielt einen nicht unbedingt menschlichen Charakter, welchen man sich vor Spielbeginn optisch in einem grundlegenden Editor zurechtklickt. Die ersten Schritte führen den Spieler aus seinem Bett hin zu seiner Ernennung zum Protector. Jedoch wird die Zeremonie durch eine unwesentliche Kleinigkeit, die Zerstörung des Planeten, unterbrochen. Auf der Flucht vom zerberstenden Planeten erhält man den Materiemanipulator, eines der Kernelemente des Spiels. Damit verändert der Spieler seine Umwelt und kann allerlei Materialien mit geringem Zeitaufwand abbauen, verarbeiten oder an anderer Stelle wieder platzieren. Das eigentliche Spiel, die Zerstörung der Erde ist lediglich das Tutorial, startet man im von der Flucht beschädigtem Raumschiff und beamt sich mangels Alternativen nach unten auf einen von der K.I. automatisch angesteuerten fremden Planeten. Im Spiel selbst gibt es unendlich viele Planeten und keiner gleicht dem anderen. Chucklefish, der Entwickler hinter Starbound, hat sich ein System überlegt, mit dem kein einziger Planet dieselben Bäume, Felsen u.ä. hat. Sobald man auf der Planetenoberfläche angekommen ist, kann man den gesamten Planeten nach seiner Vorstellung umgestalten.

Auf dem Planeten angekommen gibt einem die K.I. kurz darauf Anweisungen die letztlich dazu führen, dass man den Planeten über einen Teleporter zu einem neuen Ort verlassen kann. Hier beginnt das Abenteuer jedoch erst so richtig. Früher oder später findet man einen Weg sein beschädigtes Raumschiff zu reparieren und kann fortan, ausreichend Treibstoff vorausgesetzt, von Planet zu Planet reisen. Je nach Planetenart herrschen dort dann andere Bedingungen wie z.B. extreme Kälte, Hitze oder keine atembare Atmosphäre. In jedem Fall sollte man auf die Gegebenheiten des Planeten vorbereitet sein bevor man auf dessen Oberfläche beamt.

Wer sich nach Struktur sehnt, der folgt fortan den Hauptmissionen und erledigt hier und da eine der vielen Nebenquests. Wer hingegen lieber den Freigeist verkörpert, der ignoriert sämtliche Aufgaben und erkundet den Weltraum auf der Suche nach besserer Ausrüstung aber auch stärkeren Gegnern oder man verbunkert sich auf seiner persönlichen neuen Heimatwelt und gestaltet diese nach Belieben um. Starbound ist da völlig frei, der Spieler entscheidet selbst.

Terraterrorforming im Team

Den Multiplayer wollte ich bislang noch nicht testen. Das Internet ist zusammen mit unserem Nutzer „fusto“ bereits seit 2014 absolut von dessen Qualitäten überzeugt, weshalb ich den nachfolgenden Textabschnitt bis auf weiteres mit leichten Anpassungen aus dem bisherigen Artikel übernehmen möchte.
Im Multiplayer gibt es weitaus mehr Möglichkeiten als im reinen Einzelspielermodus. Die Gegenstände und Errungenschaften sind auf allen Servern und Welten verfügbar. Man kann mit anderen menschlichen Spielern eine Gruppe gründen oder verhandeln. Am besten ist es mit einem Freund oder einer weiteren Person via VoiceChat (Mumble) zu spielen, denn bei den Möglichkeiten die das Spiel bietet hat man keine Zeit ständig den Chat zu nutzen.

Im Mehrspielermodus spielt Steam seine Trümpfe aus. Hier ist es laut Wiki möglich der Einzelspielerwelt eines Steam-Freundes ohne Komplikationen via Rechtsklick auf dessen Namen in der Steamanwendung und der Wahl von "Join Game" beizutreten. Auch können Spieler über das Steam-Overlay andere menschliche Mitspieler direkt einladen an der aktuellen Partie teilzunehmen.
Etwas komplizierter aber auch keine Raketenwissenschaft ist der Mehrspielermodus in der eigenständigen Variante ohne Steam im Hintergrund. Derjenige der das Spiel bereitstellt, also Host ist, muss auf seinem Router/Firewall etc. TCP port 21025 an den eigenen PC weiterleiten. Im Anschluss startet man die Server-Applikation unabhängig vom Hauptspiel. Auf diesem Wege kann man direkt den Betrieb des eigenen Servers über die 127.0.0.1 testen aber dazu gleich mehr. Die zum Start des Server benötigte Datei findet sich im Starboundverzeichnis im Ordner linux und heißt run-server.sh. Läuft diese im Hintergrund kann man nun die Client-Anwendung starten (run-client.sh) und prüfen ob man zum eigenen Server über die 127.0.0.1 verbinden kann. Funktioniert der Spielbeitritt kann nun die eigene öffentliche IP oder der eigene DNS-Name an potenzielle Mitspieler weitergegeben werden. Diese gehen dann wie folgt vor:

  • Spiel starten und "join Game" wählen.
  • Den eigenen Wunschcharakter auswählen.
  • Die Server Adresse (IP oder DNS-Name) zusammen mit Benutzername und Passwort (kann leer bleiben falls nicht gesetzt) eintragen
  • Auf "join Server" klicken

Vorwärts, Rückwärts, Seitwärts, ran, Hacke, Spitze, hoch das Bein!

Gesteuert wird der kleine selbsterstellte Weltraumheld mit Tastatur und Maus. Ein Verzicht auf eines der beiden Eingabegeräte ist nicht möglich. Im Big Picture Modus des Steam-Client kann man außerdem experimentell eine Unterstützung für Steam Controller oder Xbox 360 Controller aktivieren. Diese ist aber relativ ungenau und daher lediglich hart gesottenen Gamepad-Enthusiasten zu empfehlen.
Nahezu alle Tasten der Tastatur lassen sich frei belegen wenn man mit der voreingestellten Konfiguration unzufrieden sein sollte. Im Spiel selbst erhält man später durch kleinere Nebenmissionen weitere Fähigkeiten die die Steuerungsmöglichkeiten der eigenen Figur erweitern.

Qualitativ hochwertig angeordnete Grobpixel

Starbound bietet diesen grobkörnigen Charme den mancher noch aus seinen Kindertagen im Hinterkopf hat. Shadertechnik und Antialiasing wird gekonnt hinter pixeliger Darstellung der Umgebung versteckt. Wer hier jedoch vermutet das Spiel auf Omas Toaster zum Laufen zu bekommen, der irrt leider. Gerade die vielen kleinen aber permanenten Animationen, das Spawnen von sichtbaren sowie noch unsichtbaren Gegnern und das Generieren der Spielwelt belasten ältere CPUs und GPUs über ihre Möglichkeiten hinaus, wobei das Nadelöhr hier eindeutig die GPU zu sein scheint (mehr dazu im Bereich Hardwareanforderungen).
Wie dem auch sei, optisch geht dem Spiel durch die eingesetzte 2D-Engine nichts verloren. Selbst kleinste Gegenstände die in den Händen des Charakters transportiert werden, kann man trotzdem noch erahnen. Alles in Allem bietet sich dem Spieler hier eben keine überzüchtete Engine mit den neusten Möglichkeiten sondern ein grundsolides 2D-Gerüst mit ganz eigenem Charme. Ideal für die immer mal wieder steigende und fallende Retrowelle.

Es klimpert und klimpert und klimpert

Auf den ersten Blick ist die Vertonung stimmig und mit einem Wort als “gut” zu beschreiben. Hat man allerdings Spielstunden im zweistelligen Bereich auf dem Tacho, hört man das ein oder andere Musikstück, gerade solche die fest an einen bestimmten Planetentypen gekoppelt sind, bereits zum hundertsten Mal und so langsam aber sicher stellt sich Monotonie ein. Eine sehr angenehme, gut klingende Monotonie aber eben Monotonie. Hier hilft bei Überdrüssigkeit letztlich nur, wie so oft, die Musik im Spiel zu deaktivieren und eigene musikalische Untermalung über einen anderen Zuspieler zu nutzen oder eben gänzlich auf die Musik zu verzichten.
Die Toneffekte sind zu 99% in Ordnung. Einzig das Geräusch, welches beim Abbauen von Material erzeugt wird, kann einem irgendwann, ähnlich wie bei der Musik, ein wenig auf die Nerven gehen. Prinzipiell hat Starbound in Sachen Klang nichts falsch gemacht. Die oben angeführten Beispiele sind lediglich als Spitzfindigkeit zu verstehen.

Oldtimer von ein paar Pixeln in die Knie gezwungen

Entgegen den anfänglichen Erwartungen zeigte sich schnell das Starbound keinesfalls eine alternative Beschäftigungstherapie für uralt-Hardware ist. Selbstverständlich zeigte sich das TUXEDO Book XC1706 völlig unbeeindruckt von dem bereits 2016 aus dem Early Access entlassenen Spiel. Auch der 2012 angeschaffte Vier-Kerner von AMD mit seiner nachgerüsteten AMD Radeon RX 460 blickt dem Titel lachend ins Gesicht, wenn auch die Ladezeiten beim Weltenwechsel merklich länger sind.
Interessanter wurde es beim Test auf 2 angegrauten Acer-Notebooks (Acer Aspire 5738ZG). Die Variante mit dem Intel-Grafikchip zeigte gab kaum Grund zur Freude. Hier wurde das Spielgeschehen zur Diashow herabgestuft. Die sonst baugleiche Variante mit älterer AMD-GPU schlug sich deutlich besser, jedoch herrschte auch hier ein derart verlangsamtes Gameplay, dass man nicht guten Gewissens eine „ach, das läuft schon“ Aussage treffen kann. Auch das etwas jüngere Acer Aspire One 756 lies kein gänzlich flüssiges Spielgeschehen zu. Der verbaute Intel-Chip reichte den Ansprüchen einfach nicht aus.
Wer Starbound vollends genießen möchte, sollte sich, pauschal ausgedrückt, irgendwann ab 2014 mal einen neuen PC oder ein halbwegs aktuelles Notebook gegönnt haben.

Mit kleinem Budget zum Planetenformer

Das Spiel kann im Humble Store (drm-frei und Steam-Key), auf GOG (drm-frei) und auch auf Steam für Linux erworben werden. Bereits 2014 gab es das Humble Indie Bundle X in dem Starbound enthalten war. Allerdings nur für 5 Minuten, da bereits nach diesem kurzen Zeitraum die 1000 zum Verkauf angedachten Versionen ausverkauft waren. Ebenfalls für kleines Geld zu erhalten war der Titel im Humble Care Package Bundle von November 2017.

Fazit und persönliche Meinung

Starbound macht viele Sachen unheimlich richtig. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht mehr in Erinnerung rufen wie das Spiel so lange nicht auf meinem Radar sein konnte. Eher durch Zufall hatte ich den Titel letztes Jahr im Humble Care Package Bundle erstanden und war nach den ersten Spielstunden wie gefesselt. Natürlich gilt wie immer, dass man ein gewisses Interesse am Genre sowie der Art und Weise mitbringen sollte um vollends zufrieden zu sein. Ist das gegeben spricht nichts dagegen sich einige Nächte vor dem Computer zu parken und ganze Spielwelten nach den eigenen Werten zu perfektionieren. Ein Selbstläufer ist die Möglichkeit durch Besitzurkunden selbstgebaute leerstehende Häuser mit Bewohnern und somit Leben zu füllen. Von Zeit zu Zeit geben diese sogar „Miete“ und eigene Nebenmissionen an den Spieler weiter und den Mehrspielermodus habe ich, wie gesagt, noch nicht einmal getestet. Wahnsinnig viel Potenzial. Topp.
Hier möchte ich kurz an Entwickler und Publisher appellieren. Eine zeitlich befristete oder technisch abgespeckte Demo des Spiels hätte mich schon vor Jahren zum Starbound-Jünger bekehren können der im Anschluss auch den Vollpreis auf den Tisch legt. Da es keine Demo gab, habe ich den Titel erst zum Spottpreis Jahre später kennenlernen dürfen und schreibe jetzt aus schierer Begeisterung aber dafür viel zu spät diese lobenden Worte über ein Spiel das seit Jahren seine Early Access Phase verlassen hat. Schade eigentlich.

Tl;dr, Ich schreibe eigentlich nur über 3 Spieltypen Reviews. Solche die ich zur Verfügung gestellt bekomme, solche aus dem Open Source Bereich und solche die ich mir gekauft habe und die mich vollends begeistern. Kleiner Tipp, Starbound wurde mir ausdrücklich nicht unentgeltlich zur Verfügung gestellt und so wirklich quelloffen ist es (leider) auch nicht.

Euer meldrian nach etwas mehr als 35 Stunden Spielzeit.

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