Warhammer 40000: Dawn of War III

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Dawn Of War III ist nun die dritte Inkarnation der Warhammer 40000-Reihe von Relic Entertainment. Der zweite Teil war als Linux-Debut positiv aufgefallen und nun durfte Feral Interactive auch den dritten Teil für Linux umsetzen. Wir haben wieder freundlicherweise eine Kopie zum Testen von Feral Interactive erhalten und uns knappe 5 Stunden das Spiel im Einzelspieler als auch im Multiplayer-Modus (Solo gegen KI) angeschaut.

Über das Spiel

Warhammer 40000: Dawn Of War III ist der dritte Teil der Dawn Of War-Reihe als Echtzeitstrategiespiel im Warhammer 40000-Universum.

Technik und Portierung

Feral Interactive hat diese Portierung, genauso schon wie beim Vorgänger, für Linux und MacOS durchgeführt. Dawn Of War III ist der erste Titel von Feral, der direkt schon bei der Linux-Veröffentlichung mit Vulkan-Unterstützung daher kommt. Um das Spiel mit Vulkan laufen zu lassen sind neuere Treiber notwendig. Für NVIDIA muss es der 381.22 sein. AMD und Intel werden für OpenGL nicht unterstützt. Aber man kann das Vulkan-Backend mit Mesa 17.1 für AMD-Karten und mit der Mesa 17.2-Entwicklerversion für intel-Karten nutzen.

Eine leistungsstarke Grafikkarte ist notwendig. Auf dem ersten Testsystem mit einem AMD Ryzen R7 1800X und einer NVIDIA Geforce GTX 960 mit 4GB VRAM unter OpenSUSE 42.2 konnten durchschnittlich 15 FPS bei maximalen Details erreicht werden. Mit dem Vulkan-Backend waren es dann schon 20 FPS. Durch die Deaktivierung der vsync-Option konnten Spielgeeignte FPS erreicht werden, die auch im extrem actionlastigen Multiplayer-Endkampf flüssig liefen.

Auf dem Tuxedo Book XC1507v2 mit einem Intel i7700HQ und einer NVIDIA GeForce GTX 1060 sahen die Frame-Raten schon besser aus und lagen mit allen aktivieren maximalen Optionen zwischen 30 und knapp 40 FPS.
Das bordeigene Benchmark-Programm zeigt eine fest definierte Szene. Leider werden die Ergebnisse nicht anschließend auf dem Bildschirm angezeigt. Eine gute Idee ist der Framezahl-Anzeiger in dem Optionsmenü, ohne den Benchmark starten zu müssen kann man hier eine grundsätzliche Tendenz ablesen.
Scheinbar müssen im Menü noch einige Texturen vorberechnet werden, so dass es hier zu Beginn des Tests häufiger mal zu Stockern kam. Diese verschwanden aber nach und nach.

Einzelspieler

Die Einzelspieler-Kampagne geht im dritten Teil auch seinen eigenen Weg. Die Kampagne wird chronologisch erzählt, beginnend mit einem Angriff der Orks auf einen Planeten der Menschen. Die Space Marines kommen dem dortigen Clan zur Hilfe, gegen den willen des oberbefehlshabenden Priester. In der nächsten Mission wechselt man zur Seite der Orks, die eine andere Stellung auf dem Planeten einnehmen wollen. Auch die dritte Rasse, die Eldar, werden schon früh im Spiel eingeführt.

Die Karten im Einzelspielermodus sind imposant. Große Gebäude und Festungen mit mehreren Ebenen in der Tiefe vermitteln dem Spieler einen Eindruck von der Imposanz der Warhammer-Welt. Die Action ist allgegenwährtig, wird aber etwas im Hintergrund gehalten, wenn es den Spieler nicht direkt betrifft. Eine gute Entscheidung, wie ich finde, wird das Spiel mit seinen Massenschlachten doch sehr schnell wuselig und unübersichtlich. Dennoch bekommt man mit, dass auch im Hintergrund oder in einer Ebene tiefer gekämpft wird. Den Eindruck Teil einer Verteidungseinheit in einer groß angelegten feindlichen Offensive auf die Festung zu sein fördert dieses Stilmittel ungemein.

Ein wenig chaotisch finde ich die An- und Abwahl von Einheiten, wenn es die Geschichte erfordert. Immer wieder musste ich mich wundern, warum ich meine Einheiten von eben nicht mehr anwählen darf.

Die Geschichte wird trotz des Wechsels der Perspektiven interessant und nachvollziehbar erzählt.

Rollenspielelemente

Wie schon im Vorgänger kann der Spieler neben Bodentruppen auch Fahrzeuge bauen, wenn die Ausbaustufe der eigenen Festung dies erlaubt. Jede neue Einheit muss dabei wieder mit den Aufrüstmöglichkeiten ausgerüstet werden. Gerade das kann im Kampf schnell untergehen. Die Helden, hier werden sie Eliten, genannt, und die normalen Einheiten können mit Kurzwahltasten ihre besonderen Fähigkeiten ausspielen. Das kennen dieser Shortcuts ist wichtig für den Erfolg im Spiel.

Durch Multiplayerspiele und den Fortschritt in der Kampagne kann der Spieler sogenannte „Skulls“ sammeln. Diese lassen sich zu Helden-Upgrades und freischaltbaren Fraktions-Outfits umwandeln.

Ansonsten lassen sich wie aus dem Vorgänger bekannt, die verschiedenen Fraktionen auswählen, oder eigene farblich anpassen.

Multiplayer

Der Multiplayer spielt sich komplett anders als im Vorgänger Warhammer 40000: Dawn Of War II. Die Ähnlichkeiten, die sich dort zu Company Of Heroes 2 ergaben, sind in dem neuen Teil nicht mehr vorhanden. Als erstes aufgefallen ist das Fehlen von Deckungsmöglichkeiten. Die Kämpfe sind damit direkter und gefühlt weniger taktisch. Nach einigen Stunden Spielzeit hat man diese nostalgischen Empfinden jedoch überwunden und kann sich auf die actionlastigen Kämpfe einlassen. Und man wird nicht enttäuscht.

Leider ist auch in diesem Spiel ein crossplattform-Multiplayer mit Windows-Spielern nicht möglich. Multiplayer ist derzeit nur möglich zwischen Linux und Linux sowie Linux und MacOS-Spielern.

Der neue Multiplayer-Modus ist eine Mischung aus MOBA und Echtzeitstrategie, einen anderen Spielmodus gibt es vorerst nicht. Die Karten sind an zwei Händen abzählbar. Maximal sind drei gegen drei möglich. Im Community-Update vom 13.06.2017, dessen Portierung für Linux derzeit noch aussteht, wird der zusätzliche Annihilation-Modus das klassische Echtzeitstrategie-Spiel zurückbringen. Hier müssen dann alle gegnerischen Einheiten und Gebäude vernichtet werden.

Grundsätzlich wird nun eine Multiplayer-Partie in maximal vier Eskalationsphasen unterteilt. In jeder dieser zehnminütigen Phasen erhalten die Spieler unterschiedliche Boni. So wird in der ersten Eskalationsphase ein Viertel der Ressourcen-Punkte für Einheiten zurückerstattet, wenn die Einheit stirbt. In der zweiten teilen sich die Boni zwischen einer reduzierten Rückerstattung für Einheiten und einem erhöhten Gebäude-Trefferpunkte-Bonus für Basis-Gebäude und Wachtürmen. Das ganze zieht sich bis in die vierte Eskalationsphase weiter, bei der der Fokus für Unterstützung dann bei den Gebäuden und Wachtürmen liegt. Hier muss man also seine Angriffe an die aktuell laufende Eskalationsphase anpassen und entsprechend taktieren (siehe Eskalations-Phasen-Übersicht).

Ziel im Multiplayer ist es den Energie-Kern des Gegners zu zerstören. Dieser ist aber erst angreifbar, wenn die Verteidigungstürme zerstört worden sind.

Aus dem zweiten Teil haben es die Ressourcen-Punkte herüber geschafft. Sind diese erobert worden, können dort Erwerbs- oder Energiepunkte durch den Aufbau von Abbaugebäuden geerntet werden. Zusätzlich kann jeder Ressourcenpunkt noch mit einem Verteidigungsturm verstärkt werden.

Überall auf der Karte sind Schildfelder verteilt. Werden diese erobert, können die Einheiten sich hinter diesem Energieschild verstecken und kämpfen. Der Gegner wird hier versuchen durch den Schild durchzubrechen und die Einheiten von innen anzugreifen.

Kaufen

Warhammer 40000: Dawn Of War III könnt ihr direkt als Steam-Key von Feral Interactive im Feral-eigenen Shop erwerben. Es ist aber auch über Steam und den Humble Store für Steam zu haben.

Fazit

Anfangs war ich skeptisch. Insbesondere den gesteigerten Hardwareanforderungen, die auch das definitiv leistungsfähige Tuxedo Book XC1507v2 herausgefordert hat. Nach knapp 5 Stunden Spielzeit in der interessanten und kurzweiligen Kampagne und im Multiplayer gegen die KI hab ich in das Spiel hineingefunden.

Besonders gefesselt haben mich die actionreichen Schlachten im KI-Multiplayer. Der Sound ist sehr wuchtig und passt zu den zahlreichen Explosionen und Phasergeschützen. Die Orcs haben witzige zusammengeschusterte Einheiten, die aber nicht lächerlich wirken.

Der Knackpunkt mit dem MOBA-ähnlichen Multiplayer-Modus wurde durch das Community-Update behoben. Dieses wird demnächst auch für Linux portiert werden. Das Manko mit dem mangelnden Crossplattform-Multiplayer begleitet Feral leider schon lange. Eine Lösung scheint hier nicht in Sicht zu sein und auch außerhalb des Wirkungsbereichs von Feral zu liegen.

Der Preis mit €59,99 ist happig und wird sicher durch die noch kommenden DLCs erhöht werden. Erfreulich ist, dass das erste Community-Update davon nicht betroffen ist.

Zum Schluss das Fazit: WAAAAAAAGH!

Screenshots und Videos