Sudden Strike 4

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Sudden Strike 4 ist der Reboot der bekannten Serie. Inspiriert von dem ersten und zweiten Teil wurde Sudden Strike 4 mit modernen Mitteln umgesetzt. War der dritte Teil auch schon in 3D-Grafik so wurde dies beim neusten Teil mit frei schwenkbarer Kamera beibehalten.

Die Serie ist bekannt für ihren Anspruch an die akkurate historische Darstellung. Der vierte Teil hat auch hier versucht eine Balance aus historischen Fakten und technischen Details mit Spielbarkeit zu verbinden.
Kalypso Media hat uns freundlicherweise eine Vorabversion zum Testen des Spiels und der Linux-Portierung zur Verfügung gestellt. Mit Sudden Strike 4 erlebt die Serie endlich das Linux-Debut. Kalypso Media haben mit Tropcio 5, Grand Ages: Medieval und Dungeons 2 schon einige Erfahrungen mit Linux-Portierungen sammeln können. Wir freuen uns, dass diese Serie nun auch unter dem Pinguin-OS zu finden ist.
Haben sich früher Fireglow Games um die Reihe gekümmert, so ist der vierte Teil von Kite Games umgesetzt worden.

Für Linux ist Sudden Strike 4 ausschließlich auf Steam erhältlich. Es wurde mit der Unity 3D-Engine umgesetzt und ist lediglich als 64bit-Version verfügbar.

Über das Spiel

Sudden Strike 4 ist ein Echtzeitstrategiespiel, dass besonderen Wert auf historische Genauigkeit legt. Die Einheiten und das Missions-Design orientieren sich jeweils an tatsächlich stattgefundenen Schlachten und wurden spielerisch aufbereitet. Nach abgeschlossenen Missionen kann man sich über den historischen Hintergrund anhand von Filmen genauer informieren.
Das Besondere an der Sudden Strike-Serie als Echtzeitstrategietitel war schon immer, dass man eine gewisse Menge an Einheiten zur Verfügung gestellt bekommt. An einigen Punkten kommen auch Verstärkungen von außen zum Einsatz. Jedoch muss man mit diesen Einheiten auskommen, ein Basenbau und damit eine eigene Einheitenversorgung war noch nie Teil der Serie und ist auch im vierten Teil nicht vorhanden. Hier lag schon immer der Reiz der Sudden Strike-Serie.

Kombiniert mit dem Realismus, wenige oder gar ein gezielter Treffer an einem Panzer können diesen handlungsunfähig machen (Kettenantrieb zerstört) oder sogar komplett außer Kraft setzen, wird der Schwierigkeitsgrad deutlich. Dieser lässt sich im Übrigen auch nur von „normal“ auf „einfach“ verringern. Die Stufe „schwer“ wollte man wohl keinem menschlichen Spieler zumuten. :-)
Grundsätzlich setzt das Spiel auf eine generalbasierte Doktrin-Einstellung. Anhand der Generäle aus den deutschen, alliierten und russischen Kräften können bestimmte Fokusse gewählt werden. Im Laufe der Kampagne können die Generäle dann zusätzlich Fähigkeiten freigeschaltet bekommen. Damit ausgerüstet lassen sich frühere Missionen erneut spielen und dieses Mal ganz anders angehen.
Wurde eine Mission mit den maximalen drei erreichten Sternen erfolgreich absolviert, so kann sie in einem Herausforderungsmodus nochmal mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad gespielt werden.
Sehr schön finde ich persönlich auch das mögliche Micro-Management des Spiels. Man kann Panzer in Gruppen sortieren. Gezogene Waffen müssen erst manuell einsatzbereit gemacht werden, bevor diese schießen können. Getroffene Soldaten können durch Sanitäter wieder gerettet werden, laufen dabei aber auch Gefahr selbst getroffen zu werden.

Schießen Einheiten auf Panzer, so können die Geschosse durchaus abprallen, je nach Winkel. Angriffe aus mehreren Richtungen sollten darauf achten nicht plötzlich eigene Einheiten zu beschießen. Ganz dem Realismus treu bleibend können Soldaten auch nicht, ohne spezielle Waffen wie Handgranaten, PAKs oder Panzerfäusten, den gegnerischen Panzern gefährlich werden.

Das Schadensmodell der Einheiten, bzw. besonders der Fahrzeuge, ist differenziert. Treffer können den Motor oder das Waffensystem beschädigen und so zu spezifischen Einschränkungen in der Kampfkraft führen. Ein Panzer mit beschädigter Kette wird zwar noch die Stellung verteidigen können, wird sich aber nicht mehr bewegen. Gut beraten ist, wer in solchen Situationen ein Reparaturfahrzeug in greifbarer Nähe abgestellt hat.
Der Spieler muss ferner für den Nachschub der Truppen sorgen. Bleibt dieser aus geht den Panzern nach einiger Zeit der Treibstoff aus oder die Feuerkraft singt mangels Munition auf Null.

Wie es sich gehört, endet der Realismus von Sudden Strike 4 aber nicht nur bei den Einheiten und Panzern. Auch die Umgebung nimmt Einfluss auf den Kampf. Der Untergrund auf dem die Truppen sich fortbewegen bestimmt die Geschwindigkeit. Fängt es auch noch an zu regnen kann die Abkürzung über die Felder auch zu einer Schlammfalle werden. Bäume werden durch die Panzer umgeknickt, verlangsamen aber auch deren Vorankommen.
Die Sprache der Einheiten kann so eingestellt werden, dass die landeseigene Sprache der jeweiligen Einheit gesprochen wird, oder man kann das Spiel auf die Sprache des Betriebssystems umstellen. Authentischer ist natürlich die landeseigene Sprache. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist hier, dass die Missionsansagen und die Missionshinweise nur auf Englisch (mit britischem Akzent) vorliegen. Hier hätte ich mir auch eine landeseigene Sprachansage mit Untertiteln gewünscht.

Die Kampagne besteht aus der deutschen, alliierten und der sowjetischen Kampagne. Jede davon beinhaltet jeweils 7 Missionen.
Im Spiel lassen sich Fußtruppen, Fahrzeuge und Panzer steuern. Flugeinheiten und Wasserfahrzeuge sind nur über Aktionen indirekt steuerbar (Luftangriffe lassen sich befehlen aber nicht steuern), letztere sind auch nur in den Missionen verfügbar.

Portierung

Unter OpenSUSE konnte das Spiel nicht direkt gestartet werden, hier musste der Steam-Client mit der Option

STEAM_RUNTIME_PREFER_HOST_LIBRARIES=0 /usr/bin/steam %U

gestartet werden. Dieses Problem ist aber spezifisch nur unter OpenSUSE zu finden.

Auch der Wechsel des Fensters aus dem Vollbildmodus heraus führte dazu, dass kein Ton mehr abgespielt werden konnte. Nach einem Neustart des Spiels war das Problem dann behoben.
Offiziell wird Ubuntu 15.10 vorausgesetzt. Auf der Testmaschine mit einem AMD Ryzen R7 1800X, 32 GB RAM und einer NVIDIA GeForce 960 GTX (4 GB) konnten bislang keine Ruckler festgestellt werden. Die Frameraten verliefen stabil während die Grafikeinstellungen auf der Voreinstellung „hoch“ gestellt waren.
Schwierigkeiten mit der Portierung selbst konnten nicht festgestellt werden.

Singleplayer / Multiplayer

Im Multiplayer und im Skrimish-Modus können bislang nur 4 bzw. 5 Karten (Kursk DLC) gespielt werden. Bis zu 4 Spieler auf jeder Team-Seite können an einem Match teilnehmen. CPU-Gegner können dazugeschaltet werden.
Die KI ist nicht einstellbar, anhand des Generals können Doktrinen wie Infanterie oder Panzerfokus gewählt werden. Grundsätzlich ist sie sehr erbarmungslos. Mein erstes Skirmish-Match Deutscher General gegen eine identische Infanterie-Doktrin dauert nur wenige Minuten, bevor meine Einheiten ein jähes Ende fanden.
Der Multiplayer gegen menschliche Spieler findet nur Online statt. Eigene Server können im Spiel geöffnet werden, andere Spiele finden sich von Hand über die Lobby. Man kann auch „Quick-Match“ wählen und so die Suche nach Gegnern dem Spiel überlassen.

Im Multiplayer müssen Flaggen und Häuser eingenommen werden, die als Stützpunkt dienen. Für diese erhält der Spieler dann Punkte, die gegen Verstärkungstruppen oder Aufklärungs- und Angriffsflüge eingetauscht werden können.

Crossplattform-Multiplayer derzeit defekt

Leider scheint das Spiel keinen Multiplayer mit Windows zu unterstützen. Im Multiplayer-Test mit GTuxTV haben wir nach der Veröffentlichung um 19Uhr bis 21 Uhr keinen Spieler in der Lobby gefunden und keine offenen Spiele gesehen. Ein Spieler kam in unser Spiel und entpuppte sich auch als Linuxspieler. Wir werden versuchen eine offizielle Stellungnahme von Kalypso zu dem Thema zu erhalten.

So wie es derzeit aussieht, scheint sich hier um einen Bug zu handeln.

Kaufen

Sudden Strike 4 wird am 11. August 2017 auf Steam für Linux erscheinen. Auf GOG ist es auch erhältlich, dort fehlt jedoch die Linux-Portierung. Im Humble Store erhält man einen Steam-Key. Der Titel kann für 49,99€ erworben werden.

Fazit

Nach dem Wechsel des Entwicklerstudios und dem enttäuschenden Sudden Strike 3, waren die Befürchtungen groß, was mit Sudden Strike 4 unter dem neuen Studio passieren würde. Auch war man nicht sicher, ob die Ankündigung der Linux-Unterstützung gehalten werden konnte.

Die Befürchtungen haben sich zerschlagen. Sudden Strike 4 hat den Posten der authentischen 2. Weltkrieg-Echtzeitstrategie für sich eingenommen. Mit den gelieferten Hintergrundinformationen, dem Detailreichtum in der Umsetzung und den zerstörbaren Karten in Kombination mit dem General-Doktrin-System verbinden sich hier der Spielspaß des Klassikers mit modernen Akzenten und erhöhter Wiederspielbarkeit.
Die Linux-Portierung funktioniert einwandfrei. Wer knackige Echtzeitstrategie im zweiten Weltkrieg interessant findet für den ist Sudden Strike 4 höchstwahrscheinlich der richtige Titel und tröstet über die verpatzte Linux-Chance von Steel Division locker hinweg.

Ein kleines Schmankerl zum Schluss: Die Steam-Version lässt sich auch vollständig ohne Steam-Client unter Linux spielen.

Screenshots und Videos