OpenSUSE Leap 15 als Linuxsystem für Gamer

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Der deutsche Distributor SUSE hat eine langjährige Geschichte hinter sich. Ursprünglich in Nürnberg ansässig wurde SUSE zuerst von Novell gekauft und später weitergegeben. Heute ist SUSE wieder eigenständig und immer noch in Nürnberg ansässig. Jetzt wurde die aktuelle Version OpenSUSE Leap 15 freigegeben, die sich wieder in die Versionierung des kommerziellen Server-Systems SLES (SUSE Linux Enterprise Server) eingliedert und wie schon in Leap 42 auf diesem als stabile Basis aufbaut.

Was? Nach 42 folgt 15? Ja, das hat einen Grund. Das Entwicklungsmodell der OpenSUSE-Distribution war zu den Zeiten von 11/12/13 nicht mehr tragbar, die Unterschiede zwischen den kommerziellen Systeme und der Community-Version wurden zu groß. Dadurch verschoben sich Releases und die Verzögerungen häuften sich. Daher wurde entschieden die Community-Distribution neu aufzustellen. Leap ist nun eine Mischung aus dem stabilen Unterbau der SLES-Version. Angereichert mich aktueller Software für den Desktop, Multimedia und Gaming. Diesen radikalen Schritt wollte man durch das Erhöhen auf 42 deutlich machen. Inzwischen hat sich das Entwicklungmodell etabliert und als erfolgreich herausgestellt. Daher lehnt man nun die Community-Version wieder näher an die SLS-Basis an. SLES 15 bildet somit den Unterbau für Leap 15, macht vieles einfacher. :-)

Ich bin selbst SUSE-Nutzer der ersten Stunde (SUSE 5.3) und möchte das neue Release nutzen um euch einen kleinen Einblick zu geben, wie ihr OpenSUSE Leap 15 zu eurem Spielesystem für Linux machen könnt. Die Werkzeuge sind alle dabei und es ist sogar noch einfach geworden als in OpenSUSE Leap 42.3.

Das System

OpenSUSE Leap 15 kommt standardmäßig mit Kernel 4.12 (Begründung für die ältere Version findet sich hier) daher. Mein Ryzen R7 1800X konnte damit ohne Probleme betrieben werden. Auch der XBox 360 Controller und der Steam Controller funktionieren einwandfrei. Das für die freien AMD und Intel-Treiber notwendige Mesa liegt in der Version 18.0.2 vor.
Als Desktop stehen KDE 5.12 LTS, GNOME 3.26 (X11 + Wayland), Mate, Enlightenment, XFCE und LXQt zur Verfügung. Weitere Einzelheiten findet ihr in den Features der Release-Notes.

Als zentrale Konfigurations-Software ist YaST2 dabei, die mit vielen Modulen die Konfiguration des Linux-Systems vereinfacht und steuert.

Hardware

Xonar DGX CMI 8786

Die Soundkarte wurde vom Kernel klanglos erkannt und bereitgestellt. Allerdings hat die Karte keinen Mucks von sich gegeben. Im Alsamixer musste ich nach Auswahl der Karte mit F6 im "Analog Output" mit den Hoch/Runter-Pfeiltasten auf "Multichannel" umstellen.

NVIDIA Geforce GTX 960

Wählt hier zu in YaST2 das Modul "Software-Repositories" aus. Dann unten "Hinzufügen" klicken und "Community-Repositorys" auswählen. Markiert dort dann "nvidia Graphics Drivers". Wartet das Einladen ab, bestätigt die Vertrauensmeldung des Schlüssels (prüfen!) und beendet den Vorgang mit "OK".

Alternativ könnt ihr das Repository auch mit

sudo zypper ar -f https://download.nvidia.com/opensuse/leap/15.0 "nVidia Graphics Drivers"
sudo zypper ref

Nun wählt ihr ebenfalls in YaST2 "Software installieren oder löschen". Wählt dann links oben "Anzeigen -> Repositorys" und wählt links "nVidia Graphics Drivers". Solltet ihr eine aktuelle Grafikkarte haben, wählt hier "nvidia-gfxG04-kmp-default" aus. Es wählen sich dann automatisch die nötigen Abhängigkeiten mit aus. Startet den Download und die Installation mit "Übernehmen" rechts unten.

Nach dem Abschluss der Installation könnt ihr einfach euer System neustarten, danach hat OpenSUSE automatisch auf den NVIDIA-Treiber in der Version 390.59 gewechselt.

Steam-Controller

Die Unterstützung für den Steam Controller kann direkt aus den Repositories gezogen werden. Mit

sudo zypper in steam-controller sc-controller

wird die entsprechende udev-Regel für den Treiber installiert. Der Benutzer, welcher den Controller benutzen möchte, muss sich selbst in die Benutzergruppe "games" eintragen:

sudo usermod -G games comrad

Das freie Tool sc-controller ermöglicht die Konfiguration des Controllers ohne den Steam-Client.

Software für Spieler

Steam

Seit Leap 15 bietet OpenSUSE Steam direkt in den Standard Non-OSS-Repositories an. Die Installation ist daher denkbar einfach:

sudo zypper in steam

Mit Steam wird noch SteamTricks installiert. Dieses Paket bietet Workarounds und Anpassungen für Nicht-Ubuntu-Systeme an. Die Bestrebungen der verschiedenen Distributoren Steam auf ihren "nicht unterstützten" Plattform anzubieten, wird hier gebündelt.

Sollte ein Titel komische Fehlermeldung ausgeben, so könnt ihr probieren, Steam und dann das Spiel über diesen Präfix zu starten:

STEAM_RUNTIME_PREFER_HOST_LIBRARIES=0 steam

Das hilft zum Beispiel bei DiRT Rally.

Für Dedicated Server wird auch gleich steamcmd mit angeboten.

Lutris

Die freie Gaming-Plattform Lutris könnt ihr über ein externes Repository direkt von den Lutris-Entwicklern einbinden. Zur Einbindung des Repositories könnt ihr die One-Click-Install über https://software.opensuse.org/ymp/home:strycore/openSUSE_Leap_15.0/lutris.ymp nutzen und dann Lutris als Paket suchen und hinzufügen, oder den Kommandozeilenweg nutzen über

Hier müsst ihr nun noch ein fehlendes Paket extra installieren:

sudo zypper in python3-gobject-Gdk

Dann gehts los mit

sudo zypper install lutris

Freie Spiele

Wer freie Spiele mag und OpenSource-Spiele liebt, der sollte sich das Games-Repostiory einbinden. Hier der kurze Weg über die Kommandozeile:

Dort findet ihr dann fertig und spielbereite Pakete für 0 A.D., 7kaa, CorsixTH, Flightgear, dhewm 3 (Doom 3 source port), ioquake3 (Quake 3 Port), LugaruHD, Dune Legacy, FreeCiv, Endless Sky, Freeorion, megaglest, minetest, naev, OpenTTD, Simutrans, openrct2, UFO: Alien Invasion, Unvanquished, Urban Terror, Voxelands, Battle for Wesnoth, Warzone 2100, Widelands und auch viele Engines (Irrlicht) und Spieleplattformen (ScummVM, Dosbox, Spring RTS).

Wine und DXVK

OpenSUSE Leap 15 kommt standardmäßig mit Wine 3.7 daher. Ihr installiert es über

sudo zypper in wine

Diese WINE-Version erfüllt bereits die Mindestanforderung (Wine 3.5) für das DXVK-Projekt. Wer eine aktuellere WINE-Version benötigt, der wird über https://software.opensuse.org/ fündig.

Mumble

Die freie Teamspeak-Alternative Mumble ist leider noch in der Version 1.2.9 paketiert, da die Veröffentlichung der heiß ersehnten Version 1.3 noch auf sich warten lässt. Snapshots der 1.3 werden allerdings als Community-Paket angeboten. Ladet es wie folgt:

sudo zypper ar -f http://download.opensuse.org/repositories/home:/darix:/playground/openSU... mumble13
sudo zypper ref
sudo zypper in mumble

Teamspeak

Die proprietäre Variante könnt ihr entweder direkt von der Webseite herunterladen, oder ihr benutzt das Repository von regataos:

sudo zypper ar -f http://download.opensuse.org/repositories/home:/regataos/openSUSE_Leap_1... ts3
sudo zypper ref
sudo zypper in teamspeak3-client

Alternativ könnt ihr den Client auch direkt vom Hersteller laden, was sicherheitstechnisch eigentlich immer die vertrauenswürdigere Variante ist.

Discord

Der proprietäre Discord-Client für Voice und Text-Chats des immer beliebter werdenden Discord-Dienstes könnt ihr auch direkt aus dem Repository installieren:

sudo zypper in discord

Discovery

Unter Discovery kann man sich eine Art Software-Center vorstellen, wie man es von Ubuntu her kennt. Es stellt die eingebundenen Repositories und die Pakete in einer hübschen übersichtlichen Präsentation vor, dort gibt es auch eine Spiele-Abteilung.

Wo bekomme ich OpenSUSE?

OpenSUSE ist eine freie Distribution. Ihr könnt sie also direkt auf https://www.opensuse.org/ oder ganz direkt unter https://software.opensuse.org/distributions/leap herunterladen.

Fazit

OpenSUSE ist eine moderne aufgeräumte und durchdachte Distribution, die viel Erfahrung mitbringt. Die Infrastruktur ist solide und die Paket-Repositories zahlreich und gut gefüllt. Die stabile SLES-Basis bietet eine grundsolide Ebene für einen Gaming-Desktop. Wer noch aktuelle Pakete will, sollte sich mal OpenSUSE Tumbleweed anschauen.

Es ist also alles dabei, Spieleplattformen wie Steam oder Lutris können direkt installiert werden. Der gesprächige Gamer kann mit Mumble, Teamspeak oder Discord aus den aktuellen Voice und Chat-Tools auswählen. Und es gibt eine Menge an freien Spielen.

Probiert OpenSUSE doch einmal aus: Getreut dem SUSE-Motto: Have a lot of fun!

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Multimedia
enzenb
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SUSE war mein erstes Linux (mal abgesehen von einer misslungenen Slackware-Installation). Ich hab aber aufgehört SUSE zu benutzen, als es unter der Ägide von Novell an den unsäglichen Trivial-Patent-Attacken von Microsoft auf Linux und Android mitgewirkt hat durch Ausgeben irgendwelcher komischer Patentschutz-Coupons. Das war mir echt zu viel. Bin dann zu Debian gewechselt.

Inzwischen ist Microsoft mit seinen Patent-Attacken ja etwas subtiler geworden, setzt sie aber durchaus fort, wie sich zur Genüge bei Techrights nachlesen lässt.

comrad
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Die großen müssen alle im Patent-Spiel mitspielen, da hilft das Open Invention Network: http://www.openinventionnetwork.com/press-room/faqs/

Linux Gamer 91
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Gab bei SUSE immer Schwierigkeiten, Codecs für Audio und Videoformate zu installieren, wie sieht das bei ser neuen Version aus?

comrad
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Die Packman-Repos kannst du schon länger per Mausklick einbinden. Nur halt nicht direkt, das war bei Ubuntu z.B. aber auch nie anders. Wichtig ist, dass man für libav z.B dann einen Anbieterwechsel (SUSE-Repo -> Packman-Repo) macht.

Wupsala
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Ist schon seit langer Zeit überhaupt kein Problem mehr.

http://opensuse-community.org/

Funktioniert perfekt.

mcflyle
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Beiträge: 306

Danke für "screenfetch", kannte ich gar nicht ;)

Ansonsten kann ich nur sagen, mit Leap und Tumbleweed keine großen Probleme seit langer Zeit.

Wichtig hierbei evtl. dass man mit den proprietären Nvidia-Treibern zwar bei Leap das repo nutzen kann, bei Tumbleweed ist das meines Wissenstandes nicht vorgesehen, dort muss man manuell installieren. Bei AMD würde ich aktuell Tumbleweed bevorzugen, da ja der offene Treiber ganz gut seinen Dienst verrichtet und man so wunderbar die Vorteile einer Rolling-Release-Distro nutzen kann. Mit Nvidia bevorzuge ich dann doch Leap, weil mich das manuelle updaten nach jeder Kernelaktualisierung etc. schon arg genervt hatte.