Loki Games – Linuxspiele von damals – ein Blick zurück auf Railroad Tycoon 2

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Diese Serie blickt zurück auf die Spiele von Loki Software. Loki, genauer Loki Entertainment Software, haben kurz nach der Jahrtausendwende kommerzielle Spieletitel auf Linux portiert. Dabei haben sie großen Pioniergeist bewiesen und viele Grundsteine für die heutige Linuxspiele-Szene gelegt. Viele der damaligen Projekte und Mitarbeiter haben heute noch großen Einfluss auf das Geschehen in der Linuxspielewelt. Wir wollen im Auftakt ein wenig über Loki Games erzählen und dann anhand eines Spiels von damals zeigen, dass es heute noch funktioniert und dabei einige Projekte ansprechen, die es lohnt, erwähnt zu werden. Dann blicken wir über den Tellerrand und schauen uns um, was mit den Vorgängern und den späteren Nachfolgern dieses Linux-Titels in dem Genre heute unter Linux nativ möglich ist.

Loki Games

Loki begab sich auf tatsächlich neues Terrain, zuvor hatte keine Firma es versucht kommerzielle Spiele auf das noch Linux-Betriebssystem zu portieren. Dieses war grade dabei sich als Server-System zu etablieren, der Desktop unter Linux war insofern noch in niemandes Blickfeld, geschweige denn Linux als Spieleplattform zu betrachten.

Trotz des „Neuland“-Charakters ging Loki bei ihrer Arbeit sehr professionell vor und haben sich nicht mit kleinen Titeln aufgehalten, sondern auch große – heute würde man Triple-A-Titel sagen, auf Linux gebracht. Mangels Infrastruktur und Tools haben sie dabei die Grundlage für die heute Linuxspiele-Welt gelegt. Die damalige Webseite war auch durch ihr innovatives Design auch außerhalb des Linuxspiele-Bereichs bekannt.

Die Früchte

Die Entwickler bei Loki konnten nicht auf bestehende Strukturen zurückgreifen und entwickelten daher ihre eigenen Toolsets und Helfer-Programme, die sie dann später für die Gemeinschaft zur Verfügung stellten.

Bei der Entwicklung sind zum Beispiel Installer wie der „Loki Setup“, der heute durch den Mojo-Setup abgelöst wurde, herausgekommen. Mit ihm konnte Loki nicht nur die Installation für den Benutzer angenehm gestalten, er diente auch als Tool, um die Updates der Spiele und die Patches verteilten zu können. Der Nachfolger Mojo-Setup wird heute bei allen Linux-Versionen auf der Shop-Plattform GOG verwendet.

Als weiteres quelloffenes Projekt sind dann noch OpenAL und – viel bedeutender – die Bibliothek SDL entstanden. Sie entstammt dabei der Feder von Sam Lantinga, einem leitenden Entwickler bei Loki Games. Sie vereinheitlicht das Ansteuern der verschiedenen Peripherien wie Ausgabebildschirm, Rendering, Maus und Tastatursteuerung, was den Entwicklern bei Loki die Arbeit deutlich vereinfachte. So musste nicht bei jeder Spiele-Portierung erneut von Vorne begonnen werden. Heute ist SDL eine der meistgenutzten Bibliothekten im Spieleumfeld und wird auch unabhängig von Linux für zahlreiche Titel benutzt.
Später hat Lantinga bei Valve Corporation an der Portierung von Steam und Left 4 Dead 2 mitgewirkt.

Auch der heute bekannte Spieleportierer Ryan C. Gordon hat bei Loki Games gearbeitet und an zahlreichen Portierungen mitgearbeitet. Nach der Schließung der Firma bot Ryan der Firma Croteam eine Linux-Portierung des grade erschienen Serious Sam-Titels an, um einen drögen Notbehelfsjob zu entkommen. Durch diese erfolgreichen Arbeiten konnte er weitere Aufträge gewinnen und somit viele weitere Titel, wie Medal Of Honor: Allied Assault, Devastation oder Americas Army, und auch Epic Games Unreal Tournament 2003 und 2004 auf Linux portieren. 
Kurz nach dem Erscheinen von Postal 2, kontaktierte er den Entwickler Running With Scissors und bot ihnen eine Linux-Portierung an, da er bereits bei Loki Games den ersten Teil auf Linux portiert hatte. Sie willigten ein und das inoffizielle Loki-Nachfolge-Unternehmen Linux Game Publishing übernahm den Vertrieb.
Seine Portierung von Lugaru sorgte für einen verstärkten Kontakt zu Wolfire und somit zu einer großen Beteiligung der Portierungen in den von Wolfire später gegründeten Humble Bundles.

Er hostet icculus.org, welches früher als wichtige Plattform für verschiedene Quellcode-Freigaben und den daraus entstandenen Portierungsprojekten galt. Dort sind zum Beispiel die Hexen und Duke Nukem 3D-Portierungen zu finden.

Wie man sieht haben die zahlreichen Tools aus der Loki-Schmiede großen Einfluss auf die heutige Linuxspiele-Landschaft. Auch scheint die Arbeit bei Loki als Linuxspiele-Portierer nicht nur ein Job für viele der damaligen Angestellten gewesen zu sein. So haben sie auch nach der Schließung von Loki sich weiterhin für Linuxspiele eingesetzt und an der Verbreitung von Linux-Clients von Spielen mitgewirkt.

Von Loki bis heute

Hier wollen wir uns auf eine kleine Reise begeben. Wir beginnen mit einer Portierung von Loki Games und schauen uns in ihrem Umfeld um. Wir zeigen welche Titel es zuvor und danach gab und wie diese unter Linux spielbar sind.

Railroad Tycoon II – tatsächlicher Nachfolger, auch wenn Sid Meiers nicht mehr dabei war, wurde von Loki Games nativ auf Linux portiert und enthielt auch die Erweiterung „Second Century“.
Es ist heute noch ohne Probleme spielbar, wenn man den Installer des LIFLG-Projekts benutzt. Er beinhaltet bequemerweise bereits den aktuellsten Patch und installiert diesen gleich mit. Man kann den Installer mit der Original-CD benutzen oder auch auf das ISO-Image als Loopback anwenden. Die Windows-Version kann nur über eine manuelle Installation verwendet werden, diese ist in dieser Anleitung dokumentiert.
Damals wurde als Audio-Treiber auf OSS zugegriffen. Diese Audio-Treiber wurden später durch ALSA abgelöst. Daher kann das Spiel heutzutage kein Soundkarte mehr finden. Das Problem kann man lösen, sofern man das Paket ‚‘‘osspd‘‘‘ installiert oder mit ‚‘‘padsp‘‘‘ den OSS-Audio-Stream auf ALSA umleitet.

Der Vorgänger

Der direkte Vorgänger Railroad Tycoon Deluxe wurde 1990 veröffentlicht und 1993 als Deluxe-Version erneut herausgebracht. Er ist heute übrigens Freeware und lässt sich per Wine installieren. Dann kann das Spiel direkt in der Dosbox unter Linux ausgeführt werden.

Ebenfalls als der Zeit

Ebenfalls aus diesem Jahrzehnt entstammt die Wirtschaftssimulation Transport Tycoon Deluxe. Funktioniert einwandfrei unter Linux mit Dosbox. Besser ist jedoch OpenTTD (Open Transport Tycoon Deluxe), dass neben verbesserter Grafik, höheren Auflösungen auch viele Bugfixes und sensible Verbesserungen gegenüber dem Klassiker enthält. Zudem enthält OpenTTD die Möglichkeit im Multiplayer zu spielen. Das Projekt liefert nicht nur die Engine für die Original-Grafiken, sondern sogar auch eigene und freie Grafik und Sound-Dateien.

Das zweite wichtige Projekt in dieser Kategorie und stetiger nativer Linux-Version ist Simutrans. War es anfangs „nur“ Freeware, so wurde dennoch Linux als unterstützte Plattform angeboten. Später war dann der Schritt hin zu einer quelloffenen Entwicklung innerhalb der Community möglich. Simutrans arbeitet mit sogenannten „Pak-Sets“, die nicht nur die grafische Darstellung der Häuser und Landschaften bereitstellen, sondern auch eigene Regeln und Zusammenhänge mitliefern.

Moderne Umsetzungen

Grafisch aufwendiger wird es mit dem kommerziellen Titel Train Fever und dem deutlich verbesserten und umfangreicheren Nachfolger Transport Fever. Dieser stellt sich inhaltlich mit Transport Tycoon Deluxe auf eine Stufe. Neben dem Personentransport und der Warenspedition müssen hier auch Warenkreisläufe berücksichtigt werden. Das ganze findet in einer sehr hübschen Modellbahn-Atmosphäre statt und geht sehr ins Detail.

Einen kleinen Ausblick können wir mit dem im Januar 2018 erscheinenden Railway Empire von Kalypso Media wagen. Mit der nativen Linux-Version kann der Spieler dann im aufstrebenden Eisenbahn-Boom im Westen der USA mitwirken. 

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meldrian
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Dank der Installation von osspd nun auch final Ton beim Spielen von Railroad Tycoon II. Danke. Hatte angenommen ich müsste mich an den stummen Klassiker gewöhnen.