Kurz vorgestellt: Adapt Or Perish – Unkonventionelle Echtzeitstrategie in der Entwicklung

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Adapt Or Perish ist ein Echtzeitstrategie-Spiel vom Entwickler Phr00t. Bisher hat sich Phr00t eher auf Einzelspielerspiele im Genre der Rollenspiel-Actionspiele ausgetobt. Jetzt hat er sich zum ersten Mal an einen Echtzeitstrategietitel gewagt. Wir haben freundlicherweise von Phr00t die Möglichkeit bekommen und das Spiel einige Wochen lang selbst anzuschauen und anzuspielen, vielen Dank dafür. Nochmal der Hinweis darauf, dass es sich hierbei um eine Vorschau auf eine laufende Entwicklung handelt!

Wie es zu Adapt or Perish gekommen ist, welche Komponenten wiederkehren und um den aktuellen Titel besser zu erklären ist ein kleiner Abstecher in die Geschichte der bisherigen Spielentwicklungen des Ein-Mann-Teams Phr00t hilfreich.

Seine Spiele zeichnen sich durch eher rudimentäre Grafik, aber einem tiefen Spielerlebnis aus. Der erste Titel 3079 trug dabei sogar noch den „schnöden“ Beinamen „Block Action RPG“. Inhaltlich bekam der Spieler dabei eine offene Spielwelt mit prozedural generierten Gebäuden, Aufgaben und Landschaften geboten. Wer sich darauf eingelassen hat, konnte in die vom dauerhaften Krieg gebeutelten Welt eintauchen und herausfinden, weshalb die Fraktionen sich schon seit Äonen bekriegen.

Mit 4089 : Ghost Within verlagert sich das Spielfeld auf ein, natürlich generiertes, Mutterschiff. Das Genre wechselt hier leicht und nimmt noch Schleichen und Stealth ins Portfolio auf. Ab dieser Version ist auch schon das vom Entwickler selbst entwickelte VR-Framework im Spiel integriert.

Zurück auf dem – nach 2000 Jahren immer noch kriegsgebeutelten – Planeten Xax gilt es herauszufinden, wieso der berüchtigte „Overlord“ seit über tausend Jahren kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hat.

Mit ein wenig Abwechslung geht es in der Entwicklung zum Roboterkampfspiel Rombie. In einer schwebenden futuristischen Umgebung trifft man auf prozedural generierte ROMBIEs mit einzigartigen Fähigkeiten. In dieser Welt lässt sich mit den CryptoCoins die Wirtschaft betreiben, die KI mischt dabei auch kräftig mit.

Endlich Adapt Or Perish

Mit dem letzten Titel und der bestehenden Entwicklungsgeschichte im Hinterkopf blickt man auf Phr00t‘s Ankündigung nun „endlich“ einen Echtzeitstrategietitel zu entwickeln. Bislang basierten alle Spiele zum größten Teil auf demselben Universum. So auch bei Adapt Or Perish. Die schwebenden Welten aus Rombie treffen hier auf die maximale Freiheit der bisherigen Spiele sein Spiel selbst zu gestalten.

Echtzeitstrategie mit N-Dimensions Of Freedom

In der Echtzeitstrategie von Phr00t kann man nicht nur seine Einheiten selbst zusammenstellen, er geht sogar noch einen Schritt weiter. Es lassen sich ‘‘alle‘‘ Parameter der Einheiten völlig frei wählen und an diesen mangelt es in keinster Weise. Neben Geschwindigkeit und Fernsicht einer Einheit lassen sich auch die Stärke und die Schilde über einen Schieberegler frei wählen. Die Angriffsstärke einer Einheit lässt sich ebenso frei regeln, wie die Feuerrate und die Reichweite des Geschützes. Auch die Explosionsstärke der Geschosse kann man so einfach auswählen.

Die Einheiten können grundsätzlich Bodeneinheiten oder Flugeinheiten angreifen, oder auch beides. Etwas mehr Würze bringt Phr00t dazu noch in Form von Schadenstypen wie Feuer, Eis oder Plasma ins Spiel. Gegen welche Schadenstypen die Einheit dann resistent ist, ist eine weitere Auswahlmöglichkeit. Diese Art des Schadensmodells erinnert mich ein wenig an das Kampfsystem von EVE Online.

Zusätzlich zu den Kampfoptionen lassen sich noch Tarntechnologie, Flugfähigkeit und Tarnerkennung einbauen. Jede Einheit kann mit der Mining-Option noch zu einer Ressourcenabbaunden Minendrone umfunktioniert werden – hätte man das nur damals den Sammlern in Command & Conquer beibringen können. ;-)

Konzipiert man die Einheit als „Builder“, so dient diese dann der Erzeugung der eigenen designten Einheiten. In selbst gestrickten Gebäuden (Einheiten, die als solches markiert sind und sich nicht bewegen können) ist das ebenfalls möglich. So sind die Standard-Abwehrtürme einfache Einheiten, mit großer Reichweite und keiner Bewegungsmöglichkeit. Je einfacher das Spieldesign ist, umso flexibler ist das Resultat (Das Prinzip des einfachen Tools in Kombination mit vielen anderen Tools zu einem komplexen Werkzeug kennt man als Linuxer ja von seinem Betriebssystem).

Wie schon angesprochen müssen im Spiel Ressourcen abgebaut werden, die in Form von einer Art Springbrunnen auf dem Spielfeld verteilt auftauchen. Sie teilen sich in zwei Arten auf – rote und türkise.

Um dem Spieler noch etwas wirtschaftliches Denken nahezubringen und sich nicht nur mit hochgezüchteten Kolossen auf dem Schlachtfeld zu fetzen, wird der Einheitenbau gesteuert und reguliert über den Preis in Form der zwei Ressourcenarten (rot und türkis). Je höher man bestimmte Werte setzt, umso teuer und heftiger schlägt sich das auf den Baupreis der Einheit nieder.

Einheiten-Vorlagen und Tauschbörse

Am Anfang wird man von dieser völlig freien Auswahl und Vielfalt erschlagen. Ich habe einige Wochen gebraucht um mich daran zu gewöhnen. Das Tutorial wurde im Laufe der Entstehungszeit dieses Artikels immer besser und erklärte das Spielprinzip und den Einheitenbau fortlaufend besser. Phr00t hat versprochen dranzubleiben und die Erklärungen noch verständlicher zu machen.

Starten kann man das Spiel mit den Einheiten, die man sich aus dem Archiv laden kann. Diese adaptiert man dann im Laufe des Spiels. Tut man das nicht, lernt man kennen, was es sich mit „perish“ auf sich hat. Die Gegner-KI, die Overlords, bekannt aus den bisherigen Spielen, sind anfangs in der Regel nicht am Spieler interessiert. Ähnlich wie in AI Wars erregt man jedoch mit zunehmender Ausbreitung ihre Aufmerksamkeit und wenn man nicht aufpasst, wird man schnell von ihnen überrannt.

In Anlehnung an Rombie lassen sich die Einheitendesigns übrigens auf einem Markt verkaufen. Seinen Höchststand kann man mit anderen Spielern online vergleichen. Ansonsten ist das Spiel allerdings rein auf Einzelspieler fokussiert.

Einmal erstellte Designs lassen sich auch als sogenannte Decks speichern und wiederverwenden.

Grafik

Die Grafik ist schlicht. Wer die bisherigen Phr00t-Spiele kennt, weiß, dass es dem Entwickler auf eine konsistente Grafik ankommt, aber das Hauptaugenmerk liegt am Spielprinzip und der Spieltiefe. Wer daran nicht vorbeischauen kann, wird an dem Spiel wahrscheinlich keine große Freude haben.

Gespielt wird auf einer Art Schachbrettmuster mit Höhen und Tiefenlagen. Über mitgelieferte Themes lässt sich das Aussehen der Karten noch ändern. Ich mag den grundsätzlichen Grafikstil von Phr00t, aber das Kartendesign nur auf die Unterschiede der Höhen zu reduzieren finde ich dann noch etwas langweilig. Allerdings scheint dies dem Spieldesign geschuldet zu sein, in dem Sinne, dass die Karten beliebig groß und die Einheitenzahlen nicht vom Spiel begrenzt sind. Mit den Engpässen und Ebenen kommt dennoch keine vollständige Eintönigkeit auf.

Schick gemacht ist, dass sich die Einheiten je nach eingestellten Parametern grafisch ein wenig unterscheiden und die Geschosse auch je nach Einstellung anders aussehen.

VR

Wie auch schon seine Vorgängerspiele, bietet Adapt Or Perish Unterstützung für diverse Virtual Reality-Headsets, sofern sie SteamVR 2.0 sprechen.

Stand der Entwicklung

Einige grafische Hinweise fehlen noch und der Test-Status des Spiels lässt sich hier noch merken – sogleich es spieltechnisch so ziemlich vollständig ist. Fehler im Spiel beschränken sich auf Balancing und Logikfehler, aber Abstürze und absolute Spieleblocker sind mir nicht aufgefallen. Das Steam-Forum ist hier auch sehr aktiv und meldet Fehler. Wer möchte, kann sich dort der Community anschliessen, sich auf dem Sub-Reddit] ausleben oder mit dem Entwickler über den Discord-Channel auch direkt in Kontakt treten, er freut sich über Feedback und Anregungen.
Insgesamt sieht die Testversion schon sehr gut aus, der letzte Feinschliff fehlt noch ein wenig, aber dafür ist eine Testphase mit der Community natürlich sehr hilfreich und meiner Meinung nach vom Entwickler richtig gewählt. Käuflich zu erwerben wird das Spiel erst sein, wenn die Testphase abgeschlossen ist, ein Early Access wird es daher nicht geben, sondern das fertige Spiel wird dann direkt erscheinen. Angepeilt ist das Release Anfang des nächsten Jahres, sprich in den ersten Monaten von 2019.

Technisch hat Phr00t von der bisherigen Java-Engine nun hin zu Unity gewechselt. Adapt Or Perish ist nativ unter Linux, Windows und OSX erhältlich. Man kann es später auf Steam kaufen. Es wird wie auch schon alle vorherigen Titel drm-frei sein, Steam wird hier nur als Download- und Vertriebs-Plattform genutzt.

Getestet wurde das Spiel auf einem Kubuntu 18.04 LTS mit NVIDIA 390.77.

Fazit

Wer anspruchsvolle und tiefgehende Spiele sucht, wird bei Phr00t fündig. Das er einen gewöhnlichen Vertreter des für ihn neuen Genres entwickeln wird, war schon eigentlich ausgeschlossen. Trotz des neuen Genres ist Phr00t sich treu geblieben und hat etwas Einzigartiges entwickelt. Die Freiheit der Einheitengestaltung kennt man so nur aus dem uralten MAX und dem ebenfalls schon etwas betagten Warzone 2100.

Die Entwicklung kommt gut voran und er freut sich über Feedback und bringt es soweit möglich ist, auch ins Spiel ein.

Wer eine gute Herausforderung im Bereich der Echtzeitstrategie sucht, sich eher für tiefgehendes Gameplay interessiert und über die Grafik hinwegsehen kann, wird mit Adapt Or Perish einen geeigneten Titel finden. Er sei erwähnt, dass ich bislang nur an der Oberfläche kratzen konnte, üblicherweise enthalten die Screenshots deutlich mehr Einheiten :-)

Wir bleiben dran bis zum Release Anfang 2019.

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