Intel HD Chips: Geeignet zum Spielen unter Linux?

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High-End Gaming Hardware bekommt man, das richtige Kleingeld vorausgesetzt, an jeder Ecke zu kaufen. Selbst mobile Nutzer müssen der Daddelei nicht entsagen, für Sie gibt es Notebooks mit separatem Mobil-Grafikchip der namhaften großen Hersteller. Doch was wenn das Budget schmal und zum Spielen nur die 0815-Onboard Grafiklösungen zur Verfügung stehen? Wir haben uns verschiedene Generationen der integrierten Lösung von Intel mal genauer angesehen und auf Tauglichkeit geprüft.

Zum Testen boten sich verschiedene, für den Büroalltag geschaffene Geräte von Fujitsu an. Welche das waren sei an dieser Stelle zweitrangig. Da wir uns nicht an einem (Notebook-)Hersteller festklammern wollen, beleuchten wir lediglich die darin befindliche Hardware.
Angetreten sind ein angestaubter Intel Core i5-2520M (Intel HD Graphics 3000), ein Intel Core i3-3110M (Intel HD Graphics 4000) sowie ein fast noch aktueller Intel Core i5-4310M (Intel HD Graphics 4600). Da Notebooks hardwareseitig eher schwierig anzupassen sind, wird jeder der nachfolgenden Benchmarks durch Hardwareeigenheiten, Arbeitsspeicher ist ein schönes Beispiel, besonders aber durch die dargestellte Auflösung (festeingebaute Displays) beeinträchtigt. Wenn Unterschiede zwischen den einzelnen Karten zu gering erscheinen findet sich dort häufig die Ursache dafür.
Die Tests wurden ein Mal auf einem frisch installierten Ubuntu 16.10 und ein weiteres Mal unter Einbeziehung von PPAs für frischere Grafiktreiber durchgeführt. Neben dem PPA von Xorg Edgers landeten auch Updated and Optimized Open Graphics Drivers und padoka PPA in meinen Paketquellen. Beim mittleren der 3 Prozessoren, dem Intel Core i3-3110M, wurden direkt PPAs in das System eingebunden. Der Test mit einem unberührten Ubuntu entfällt an dieser Stelle, was die Anzahl verwertbarer Testergebnisse auf 5 festlegt.

Als Benchmark wurde, aus persönlicher Präferenz, das Paket "Free-Gaming" aus der Phoronix Test Suite ausgewählt. Dieses beinhaltet die frei für jedermann zugänglichen Spiele Nexuiz, Openarena, World of Padman, Smokin guns, Tremulous und Urban Terror. Die ebenfalls in diesem Paket enthaltenen Spiele ppracer, warsow und vdrift waren jeweils nicht installierbar bzw. nicht lauffähig.

Intel Core i5-2520M (Intel HD Graphics 3000)

Mit der Unterstützung von sagenhaften 4GB RAM tobt sich der betagte i5-2520M auf 1600x900 Pixeln aus und zeigt welche Wunder Intels integrierter Grafikchip der 2. Generation so aufzuzeigen weiß.

Nexuiz OpenArena World of Padman Smokin Guns Tremulous Urban Terror
Intel Core i5-2520M (Intel HD Graphics 3000; Mesa 12.0.3) 31.48 38.22 134.73 191.80 163.73 77.30

Hat man das System mit neuen Paketquellen geimpft und einer Aktualisierung unterzogen, verrichtet fortan eine Entwicklungsversion von Mesa 13.0.1 sein Werk auf der Maschine.

Nexuiz OpenArena World of Padman Smokin Guns Tremulous Urban Terror
Intel Core i5-2520M (Intel HD Graphics 3000; Mesa 13.1.0-devel) 31.78 (+0,3) 38.88 (+0,6) 144.70 (+8) 190.27 (-1) 167.80 (+4) 77.33 (+/-0)

Leider beeinflusst eine aktuellere Variante von Mesa scheinbar in keinster Weise die 3000er Serie von Intel. Lediglich in World of Padman lässt sich, mit etwas Fantasie, eine Steigerung erkennen, die allerdings genauso wie bei Tremulous so gering ist, dass man von einer Messungenauigkeit zwischen 2 Benchmarks ausgehen kann und keinen echten Unterschied.

Intel Core i3-3110M (Intel HD Graphics 4000)

Zu jeweils 50% teilen sich Faulheit und Schusseligkeit die Schuld daran, dass es für den zweiten Testkandidaten nur eines statt zwei Ergebnisse gibt. Mit 8GB Arbeitsspeicher hat der jüngere i3 zwar mehr Platz seine Berechnungen auszulagern, steht dem Vorgänger aber enorm in Prozessortakt nach. Einige Ergebnisse sind zwar augenscheinlich besser als auf dem i5-2520M, jedoch ist zu bedenken, dass die integrierte HD4000 beim Benchmark nur 1366x768 Pixel zu bedienen hatte.

Nexuiz OpenArena World of Padman Smokin Guns Tremulous Urban Terror
Intel Core i3-3110M (Intel HD Graphics 4000; Mesa 13.1.0-devel) 57.17 54.27 137.57 174.13 145.27 65.20

Auch auf diesem Gerät sind also prinzipiell noch akzeptable Werte mit diesen Klassikern der Open Source Szene zu erreichen. Die Tatsache, dass 4 Titel trotz niedrigerer Auflösung schlechter liefen als auf dem i5-2520M, lässt allerdings vermuten, dass Spielen grafisch hochwertiger Titel mit diesem Boliden unterm Hintern vermutlich nicht viele Erfolge feiern wird.

Intel Core i5-4310M (Intel HD Graphics 4600)

Kommen wir zum aktuellsten der drei Mobil-Prozessoren. Markteinführung hatte dieser zwar bereits 2014, er findet sich aber durchaus noch, je nach Preisklasse, in aktuell gehandelten Geräten wieder. Mit 16GB Ram darf der i5 mit der integrierten 4. Generation von Intels HD Grafik einen Full-HD Display mit 1920x1080 Pixeln bedienen. Tremolous verweigerte jeweils aus ungeklärter Ursache seinen Dienst auf dem Gerät. Los geht es mit dem Benchmark frisch nach der Installation.

Nexuiz OpenArena World of Padman Smokin Guns Urban Terror
Intel Core i5-4310M (Intel HD Graphics 4600; Mesa 12.0.3) 48.08 36.47 165.87 189.70 96.07

Schon nicht übel bzw. ein interessanter Anfang. Mal sehen wie das Ganze nach dem Aktivieren der PPAs und somit aktuellerer Treiber aussieht.

Nexuiz OpenArena World of Padman Smokin Guns Urban Terror
Intel Core i5-4310M (Intel HD Graphics 4600; Mesa 13.1.0-devel) 48.01 (-0,07) 36.53 (+0,1) 162.63 (-3) 180.63 (-9) 93.93 (-3)

Scheinbar gefällt dem Grafikchip die frischere Developementversion von Mesa nicht so recht. Die ersten 3 Ergebnisse lassen noch vermuten, dass die Aktualisierung keine nennenswerten Auswirkungen hatte, wobei die 10 Frames weniger bei Smokin Guns doch recht auffallend sind. Über die fehlenden 3 Frames bei Urban Terror und World of Padman lässt sich streiten.

Auch wenn wegen den wechselnden Auflösungen ein direkter Vergleich kaum möglich ist, hier nochmal alle Kandidaten untereinander im „Direktvergleich“.

Nexuiz OpenArena World of Padman Smokin Guns Tremulous Urban Terror
Intel Core i5-2520M (Intel HD Graphics 3000; Mesa 12.0.3 @ 1600x900) 31.48 38.22 134.73 191.80 163.73 77.30
Intel Core i5-2520M (Intel HD Graphics 3000; Mesa 13.1.0-devel @ 1600x900) 31.78 38.88 144.70 190.27 167.80 77.33
Intel Core i3-3110M] (Intel HD Graphics 4000; Mesa 13.1.0-devel @ 1366x768) 57.17 54.27 137.57 174.13 145.27 65.20
Intel Core i5-4310M (Intel HD Graphics 4600; Mesa 12.0.3 @ 1920x1080) 48.08 36.47 165.87 189.70 - 96.07
Intel Core i5-4310M (Intel HD Graphics 4600; Mesa 13.1.0-devel @ 1920x1080) 48.01 36.53 162.63 180.63 - 93.93

Es bestünde die Möglichkeit über einen separaten FULL-HD Monitor einen direkten Vergleich zwischen den einzelnen Geräten zu erstellen. Falls Interesse besteht, bekundet dieses in einem Kommentar. Dann folgt gegebenenfalls eine Fortsetzung / Ergänzung.

Um mal einen mehr oder minder bekannten Slogan zu entfremden: Spielen auf mobiler Hardware geht nicht? Geht doch! … nur eben erwartungsgemäß nicht so umfassend und hochperformant wie auf moderner Desktop-Hardware oder mit einem speziellen Gaming-Notebook. Gebt euren Büroblechkumpanen eine Chance, überstrapaziert ihn nicht mit Medieval Warfare sondern erfreut euch an Rimworld oder Stardew Valley. Verzichtet auf eine Diashow in 7 Days To Die, verdaddelt lieber den Abend mit Minecraft/Minetest/Voxelands. Dann kann auch das Klappergestell das 2012 für die Steuer und für E-Mail angeschafft wurde noch den ein oder anderen freudvollen Abend gestalten. Dabei genügt es vollends die automatisch erkannte Hardware direkt nach Installation des Betriebssystems zu nutzen. Ein herum experimentieren mit neueren Versionen von Mesa beispielsweise brachte in diesem Szenario keine besonderen Vorteile.

In Bildform finden sich die Benchmark-Ergebnisse nebst weiteren Angaben zur Hardware an diesen Beitrag angehängt. Haben wir etwas ganz wichtiges vergessen? Sind noch Fragen offen? Nutzt wild und ungehemmt den Kommentarbereich, wir kommen auf euch zurück.

Wir wünschen, wie immer, frohes Zocken. Am Besten unter Linux.

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