Holarse testet Torment: Tides Of Numenera

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Torment: Tides of Numenera ist der inhaltliche Nachfolger von Planescape: Torment von inXile entertainment. Seit dem 28. Februar 2017 ist es auf Steam und auf GOG erhältlich. Wir haben freundlicherweise von inXile entertainment eine Kopie zum Testen und Ausprobieren zur Verfügung gestellt bekommen.

Hardware-Voraussetzungen

Offiziell wird Torment: Tides of Numenera nur unter einem 64bit Ubuntu 16.04 bzw. 16.10 oder später unterstützt. Auf meiner Testmaschine mit OpenSUSE 42.2 hat es aber keinerlei Kompatibilitätsprobleme gegeben. Auf der Grafikseite wird mindestens eine NVIDIA GeForce GTX 460 vorausgesetzt. Empfohlen wird eine Geforce 680 mit Treiber 375.26.

Ihr solltet zudem eine starke CPU und eine schnelle Festplatte mitbringen. Die Szenenwechsel werden immer wieder mit Ladebildschirmen und hilfreichen Tipps versehen, so dass ihr hier deutlich Zeit sparen könnt.

Über das Spiel

Torment: Tides of Numenera kommt vollständig in Deutsch daher. Alle Texte sind vollständig übersetzt und dass auch in einer guten Qualität. Einige Texte werden auch gesprochen, hier gibt es jedoch nur eine englische Ausgabe mit deutschen Untertiteln.

Der Spieler muss eine große Bereitschaft zum Lesen mitbringen, das Spiel, die Welt und die Geschichten werden ausschließlich textuell herübergebracht. Begriffe wurden in dem Spiel auch komplett neu definiert. Das beginnt beispielsweise schon bei den Kämpfen, die hier als "Krise" betitelt werden.

Diese Krisen verlaufen rundenbasiert, während das Spiel in den Szenen in Echtzeit verläuft (von den Ladebildschirmen mal abgesehen). In den Krisen ist die Reihenfolge der Züge bereits festgelegt, ähnlich wie in Tahira: Echoes of the Astral Empire. In jedem Zug kann der Spieler entweder kämpfen oder sich bewegen. Neben dem direkten Waffeneinsatz können auch Spezialfertigkeiten genutzt werden.
Neben dem Spieler können bis zu drei Begleiter eine Truppe bilden. Sterben diese Begleiter im Kampf, stehen sie danach wieder auf. Stirbt der Spieler, und das ist durchaus wahrscheinlich, ist er tatsächlich tot und man muss neu laden. Diesen Umstand kann man gleich zu Beginn nach dem Verlassen der Kammer erfahren, wenn man die zahlreichen Warnungen seiner Begleiter ignoriert und trotzdem alles anfassen muss. ;-)

Technik/Spielmechanik

Torment: Tides of Numenera ist ein isometrisches Spiel mit vorgerenderten Szenen. Bei jedem Szenenwechsel lädt das Spiel leider immer wieder. Immerhin werden die Wartezeiten mit Bildern der neuen Szene verschönert. Auch gibt das Spiel hilfreiche Tipps. Das letzte Mal, dass ich soviele Ladebildschirme beim Szenenwechsel gesehen habe, war vor vielen Jahren bei Postal 2. Selbst dort hat es schon gestört, da es mich immer wieder aus der Welt herausgeholt hat. Hier in Torment: Tides Of Numenera bricht es leider noch mehr die Immersion.

Die Szenen selbst sind schön gezeichnet und gehen auch gerne ins Detail. In der Stadt findet man beispielsweise einen Hausgarten, in dem eine mit eingeschaltete Stromleitung findet an der Fische trocken. Der Charakter sinniert dann darüber, ob es nun Diebe abschrecken oder den Geschmack verbessern soll. Das hat mir gefallen. Bewegte Animationen lassen die vorliegende Szene dann lebendiger wirken. Bäche fließen und andere Elemente flattern im Wind. Die NPCs fügen sich hier gut in die Hintergründe ein und wirken nicht fremd. Die meisten NPCs findet man immer wieder artig an ihrem festen Platz, von dem aus sie ihre Geschichten erzählen. Einige laufen jedoch auch herum. Gespräche können mit den meisten von ihnen begonnen werden.

Hier kommt die Wiederspielbarkeit auf den Plan. Bei der anfänglichen Charakterauswahl hat der Spieler einige Fähigkeiten erlangt, die er nun in den Gesprächen einsetzen kann. Teilweise erlauben diese Fähigkeiten auch Spezialfragen zu stellen, die sonst nicht zur Auswahl stünden. Je nach den Antworten verändert sich der Spielablauf, so dass der Spieler hier niemals denselben Pfad im Spiel nehmen kann und wird. Das nächste Spiel kann sich komplett in eine andere Richtung entwickeln.

Die grundlegende Spielmechanik von Torment basiert auf den sogenannten Gezeiten. Diese Strömungen bilden das "Gut" und "Böse" des Spiels ab. Jede Gezeit bildet hierbei einen spezifischen Aspekt ab und passt den grundlegende Aspekt hierbei an die der Strömung entsprechenden Aussage an. Die goldene Gezeit entspricht noch am ehesten dem klassischen "Guten". Die silberne Gezeit wird dann schon etwas egozentrischer, aber nicht zwangsweise schlecht oder böse. Jede Entscheidung im Spiel spielt etwas in diese Gezeiten hinein.

Die Charakterauswahl findet im Spiel integriert statt. Dabei wird die Vorgeschichte des Charakters erzählt. Sie beginnt bei dem Fall aus den Wolken, der sich über einige Minuten hinzieht. Die dort getroffenen Entscheidungen bilden später die Grundlage für die Charakterdefinition und den späteren Spielverlauf. Anschließend gibt es auch die Möglichkeit diese Charakterauswahl in einem Bildschirm nachzubearbeiten. Diese immersive Art der Spielkonfiguration hat mir schon bei Tyranny gefallen.

Der erste Start des Spiels verlief etwas holprig. Hier wurden scheinbar im Hintergrund Vorbereitungen getroffen für das spätere Spiel. Leider wurde das nicht an der Oberfläche kommuniziert, so das der Eindruck entstand das Spiel wäre abgestürzt. Nach einem Neustart war das Laden jedoch flott und Hänger gab es keine mehr.

Beim Beenden des Spiels scheint von Zeit zu Zeit ein coredump erzeugt zu werden. Dann beendet sich das Spiel zwar scheinbar, läuft im Hintergrund jedoch noch weiter. Hier hilft dann nur manuelles Beenden über den Taskmanager.

Editionen und Kaufen

Torment: Tides of Numenera setzt auf der Pillars Of Eternity-Technologie von Obsidian Entertainment auf (Link), die für Torment an einigen Stellen angepasst und optimiert wurde.

Es ist auf Steam und GOG für Linux in verschiedenen drm-freien Editionen verfügbar: Die Standardedition für €44,99, die Legacy-Edition für €64,99 und die Immortal-Edition für €89,99. Ihr könnt zudem später auch noch Upgrades auf höhere Editionen kaufen.

Die Editionen enthalten nur digitale Gimmicks und keine spielrelevanten Inhalte.

Fazit

Rollenspieler, die sich gerne tief in eine außergewöhnliche und detailverliebte Welt einlassen möchten, werden hier ihre Freude daran haben. Es gibt zahlreiche Texte zu lesen und die Gespräche mit den vielen NPCs bilden ein interessantes Abbild der zugrundeliegenden Welt ab.
Technisch gibt es eigentlich nichts an der Linux-Version auszusetzen (wir konnten nur die Steam-Version testen), das coredump-Problem wird sicherlich mit einem späteren Patch behoben werden.

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