Holarse testet für euch Hitman™

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Mit Hitman ist Feral Interactive ein echter Paukenschlag gelungen, mit dem sie die Linux Community kalt erwischt haben. Völlig überraschend wurde das Spiel Anfang Februar angekündigt und auch schon am 16. Februar veröffentlicht. Feral hat uns freundlicherweise wieder eine Kopie zum Testen überlassen.

Über das Spiel

Im Spiel schlüpft ihr in die Rolle des legendären Agenten "47". Wie es sich für einen echten Auftragskiller gehört, müsst ihr in verschiedenen Missionen allerlei Leute in zahlreichen auch exotischen Orten umlegen, und manchmal auch ein wenig mehr als nur das. Hierbei steht es völlig offen, wie ihr die Sache angeht, es gibt immer mehrere (sogar recht viele) Wege zum Ziel. Schleichen, verkleiden und alternative Wege finden, das alles wird euch in Fleisch und Blut übergehen.

Das Spiel selbst kommt in Episodenform von insgesamt sechs Episoden daher, die alle in verschiedenen Orten auf der Welt spielen (Paris, Sapienza/Italien, Marrakesh, Bangkok, Colorado, Hokkaido). Zusätzlich gibt es noch eine Bonusmission. Das Spiel kann als Intro-Pack mit nur der ersten Episode vergünstigt gekauft werden (€12,99). Die Episoden sind dann als Upgrade-Pack einzeln (€7,99) oder zusammen (€39,99) erhältlich. Die komplette erste Season (Episoden 1-6 plus Bonusmission) ist für €49,99 erhältlich.

Das Spiel ist nur als Steam-Key, auch im Feral-Shop, erhältlich.

Test-System

Betriebssystem: Antergos Archlinux Kernel 4.9.11-1-ARCH
Prozessor: Intel® Core™ i7-5820K CPU @ 3.30GHz × 12
Speicher: 16 GB
Grafikkarte: Nvidia GTX980 Treiber 378.13
Auflösung: 1920 x 1200
Steuerung: Xbox 360 Controller, Maus und Tastatur

Portierung

Wie schon üblich kommt die Portierung wieder mit dem Feral-Dialogfenster daher, in dem man verschiedene Einstellungen vornehmen kann, sowie den Monitor auswählen kann auf dem das Spiel starten soll. Gerade wenn man mehrere Monitore hat ein praktisches Feature, das ich immer wieder gerne nutze. Im Spiel selbst lief alles flüssig, wie am Schnürchen, keine Abstürze oder Bugs. Diesmal waren auch keine Mikroruckler zu beklagen auf meinem Testsystem.
Man muss aber auch anmerken, dass die empfohlenen Voraussetzungen schon recht happig sind: eine NVIDIA GTX 970 (4GB) Grafikkarte (Treiberversion 375.26) und 16GB RAM sollten es laut Feral schon sein. Mit Blick auf den folgenden Abschnitt "Grafik und Performance" würde ich auch dazu raten diese Voraussetzungen, zumindest was die Grafikkarte angeht, auch zu erfüllen. Interessanterweise lag die RAM-Auslastung lag bei mir immer ungefähr bei 8GB.

Intel Grafikprozessoren werden zwar offiziell nicht unterstützt, dafür werden die Besitzer einer AMD Karte (AMD R9 290 4GB mit Mesa 13.0.3) wenigstens nicht mehr von vornherein im Regen stehen gelassen.

Grafik und Performance

Das Spiel an sich ist eine Augenweide, die einzelnen Schauplätze sind sehr schön designed. Es gibt sicherlich andere Spiele die eine bessere “realistische” Grafik haben, aber letztendlich ist die erzeugte Atmosphäre bei Hitman absolut stimmig.
Leider fallen die Animationen teilweise ein wenig hölzern aus, aber wenn man einmal konzentriert im Spiel drin ist, dann fällt das gar nicht weiter auf, sondern lediglich wenn man sich mal länger umschaut.
Mit allen Optionen auf Maximum (außer supersampling) lief das Spiel auf dem Testsystem mit durchschnittlich um die 50 FPS, und minimal 35 FPS (30 mit V-Sync an), was aber sehr selten vorkam. Da es kein sehr schnelles Spiel ist reicht das auch schon für ein ordentliches Spielerlebnis. Mit ein wenig Runterschrauben waren dann auch recht schnell über 60 FPS drin, ohne dass die Grafik sonderlich darunter leiden musste. Da ich eigentlich nie störende Ruckler hatte, blieb ich schlussendlich bei den bestmöglichen Einstellungen. Die schöne Grafik hatte es mir dann doch angetan.

Insgesamt war es mit dem Testsystem also gerade noch so spielbar mit der besten Grafik. Ich hatte mir eine etwas bessere Performance erwartet, da das original Spiel immerhin schon ein ganzes Jahr alt ist.

Gameplay

Fangen wir mit den negativen Punkten an: Selten habe ich so ein schlechtes Menu gesehen wie in Hitman. Man fühlt sich erstmal wie erschlagen, weil es einfach total unübersichtlich ist. Intuitiv ist anders! Davon abgesehen ist es gar nicht so einfach das Menu mit einem Controller zu bedienen. Wie man innerhalb der grösseren Kategorien in manche Ebenen wechselt hab ich auch nach etwas rumprobieren nicht rausgefunden, sodass ich entnervt zur Maus gegriffen habe.

Auch die Steuerung im Spiel selber ist gewöhnungsbedürftig. Die Belegungen auf dem Controller wirken ein wenig hingeklatscht nach dem Motto "welcher Button ist noch frei? Ah ok, dann belegen wir den einfach mit der nächsten Aktion in der Liste." Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich mich nach ein wenig Spielzeit dran gewöhnt hatte. Dass einem die möglichen Aktionen immer wieder eingeblendet werden hilft da schon enorm. Trotzdem wirkt die vorgegebene Belegung etwas deplaziert.

Die "Story" reduziert sich auf ein paar Videosequenzen zwischen den einzelnen Schauplätzen bzw. Missionen. Allzu viel darf man hier nicht erwarten. Es ist im Prinzip eine oft gesehene und ausgelutschte Agentenstory, die kaum Überraschungen bereit hält. Das muss sie aber auch nicht, denn sie ist definitiv nur ein nettes kleines Beiwerk.

Doch erst mal genug gemeckert, denn das Spiel macht trotz allem Spass, und das nicht zu knapp! Da es sehr viele Wege zum Ziel gibt sind neue Missionen erst mal sehr spannend, da man automatisch versucht so viele Details wie möglich in sich aufzusaugen. Erst mal alles angucken: wo stehen Wachen, wie bewegen sich unsere Ziele, in welche Verkleidung kann man schlüpfen? Wenn man beim Erkunden einzelne Gespräche belauscht kann man sogenannte "Gelegenheiten" aktivieren. Hier wird man ein wenig geleitet wie man sein Ziel erreichen kann. Das vereinfacht vieles, aber auch hier wird der Schwierigkeitsgrad hochgehalten. Ein besonnenes Vorgehen ist immer angebracht. Man kann zwar die Missionen auch "mit der Brechstange" schaffen, aber dann bleiben beim Debriefing kaum Punkte übrig, denn für jede getötete Person, die nicht Ziel der Mission war, gibt es Punktabzüge. So hab ich es tatsächlich hingekriegt die Ziele zu erfüllen, aber mit null Punkten dazustehen.

Hier kommt dann ein sehr wichtiger Faktor zum Tragen: der Wiederspielwert! Natürlich wollte ich die Schmach von null Punkten nicht auf mir sitzen lassen, also direkt nochmal ran, diesmal musste alles besser werden!
Tatsächlich ist es so, dass man alle Missionen gerne noch einmal spielt. Das liegt an den eingebauten Herausforderungen die es zu meistern gilt. Diese kann man sich im Missionen-Menu durchlesen und dadurch hat man schon eine gute Vorstellung davon wie viele Wege es zum Ziel gibt. Es ist keinesfalls langweilig den selben Schauplatz (die im übrigen alle riesengross sind) noch einmal zu spielen, wenn der Lösungsweg ein komplett anderer ist. Das fängt jeweils schon mit der Planung der Mission an: wo beginne ich den Auftrag, und welche Gegenstände hole ich mit? Je mehr Punkte (“Meisterschaft”) man bei den einzelnen Schauplätzen sammelt, desto mehr Startpunkte und Objekte schaltet man sich frei. Das ist insbesondere für manche der Herausforderungen hilfreich, da man direkt in einem Bereich und mit einer Verkleidung anfangen kann, die ansonsten nur schwer zu erreichen sind. Das spart später Zeit und Ärger.
Die Königsdisziplin der Herausforderungen stellt die Kombination aus “Suit only” und “Silent Assassin” dar. Das heisst man darf sich nicht verkleiden und niemand darf mitbekommen, dass man überhaupt da war. Sei es, dass man einen Unfall vortäuscht, oder dass man die Leichen gar nicht erst findet.
Die “Suit only” Variante ist schon alleine deswegen Pflicht, weil man nur ein echter “47” sein kann, wenn man seine Aufgaben im kultigen original “47-Anzug” erfüllt. Noblesse oblige!

Wem das noch nicht reicht, für den gibt es noch weitere Spielmodi: Eskalations-Missionen, Aufträge und "schwer zu fassenden Ziele".

Hier eignen sich die Eskalationen auch sehr gut zum üben des Spiels. Es handelt sich um eine strikt definierte Aufgabe (z. bsp. “Lass das Ziel X durch eine als Unfall getarnte Explosion umkommen”) die erst mal leicht zu bewältigen ist. Im nächsten Schritt wird diese Aufgabe dann erweitert, und wird pro Stufe immer anspruchsvoller, bis hin zur Stufe 5.

Aufträge sind von der community erstellte Missionen, die online abrufbar sind. Natürlich kann man auch selber welche erstellen, indem man bis zu 5 zu eliminierende Ziele definiert und sie danach auf eine bestimmte Weise zur Strecke bringt. Man kann sich dann noch einen lustigen Titel und eine interessante Beschreibung ausdenken, und dann alles für den Rest der Welt freigeben. Ein sehr interessantes Feature, denn man kann nur staunen was manche sich so einfallen lassen. Die community ist definitiv riesig und sehr motiviert!

Schlussendlich kann man noch in regelmäßigen Abständen zeitlich befristete Missionen erledigen. Hierbei handelt es sich um sogenannte “Elusive targets” also schwer zu fassende Ziele. Der Name ist hier Programm, einfach sind die Aufträge definitiv nicht! Erstens hat man nur ein begrenztes Zeitfenster (z. bsp. nur eine Woche), und einmal eines der Objektive erledigt kann man die Mission nicht wiederholen. Punkte gibt’s nur einmal, und abspeichern darf man auch nicht.
Da man die Missionen nach dem abgelaufenen Zeitfenster gar nicht mehr spielen kann lohnt es sich auf jeden Fall diesen Modus im Auge zu behalten.

Fazit

Es läuft, es macht Spass, und es sieht richtig gut aus! Was will man mehr? Ich werde noch viele viele Stunden in dieses Spiel investieren, das steht fest. Wer eine 4GB Grafikkarte sein eigen nennt, der kann hier auf jeden Fall zugreifen. Alle anderen sollten sich Hitman ruhig im Sale gönnen, denn es ist definitiv ein gutes Spiel.

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DangerousBeans
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Feral nennt als Minimalvoraussetzung eine GTX 680, aber ich habe das Spiel ohne technische Schwierigkeiten mit einer rein leistungsmäßig unterlegenen GTX 760 durchgespielt. Die Grafik ist auch bei reduzierter Auflösung (1600x900) und niedrigster Detailstufe noch recht ansehnlich.

kloß
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Beiträge: 70

Ich vermute, die Hersteller solcher Titel beziehen sich bei den Angaben für die Minimalvoraussetzungen inzwischen auf die Full-HD-Auflösung. Das entspräche immerhin 44% mehr Pixel als bei dir.

Du könntest deine Systemangaben evtl. noch im Wiki-Artikel hinzufügen als Hinweis für andere, dass das Spiel auch so gut lauffähig ist.