Holarse testet die Rennsimulation F1 2017 - ein Review

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Nach langer Zeit war es endlich wieder soweit. Feral Interactive hat sich rangemacht und mit Codemaster's F1 2017 endlich wieder einen F1-Titel Linux tauglich gemacht. Nachdem F1 2016 mangels Interesse gar keinen Linux-Port erfahren durfte, können wir uns endlich wieder mit den Boliden auf den Strecken der Welt messen. Und mir (Sick-D) wurde die Ehre zuteil, diesen Linuxtitel für euch zu testen! Feral Interactive hat mir dafür freundlicherweise einen Key zur Verfügung gestellt.

Erster Eindruck

Als Rennsportfreund konnte ich zuvor mir eine (positive) Meinung zu Ferals vorherigem Rennsporttitel DiRT Rally bilden. Jetzt geht es an die "nobelere" Formel 1. Ich muss ehrlich sagen, F1 2017 ist mein erster Formel 1-Titel seit 2011, und mein erster F1-Titel auf dem PC unter Linux. Somit bin ich frei von Voreindrücken und sozusagen "blind" an die Portierung herangegangen.

Die Menüführung und Übersichtlichkeit gestaltet sich einfach und doch eindrucksvoll. Im Hauptmenü hat man zugriff auf alle Spielmodi, sowie die Einstellungen. F1 2017 sollte unbedingt mit einer Controller-Hardware jeglicher Art gespielt werden, wovon das Spiel eine nette Auswahl an unterstützter Peripherie mitbringt. Je nach genutzter Eingabehardware (Gamepad, Lenkrad, Tastatur … etc.) werden vom Spiel automatisch die aktuell benötigten Tasten für Menübefehle angezeigt. Dies habe ich getestet mit folgenden Geräten:

  • Logitech G27 (mein altes Lenkrad)
  • Logitech G920 (mein aktuelles Lenkrad)
  • Tastatur
  • Xbox 360 Controller
  • Xbox One Standard Controller
  • Xbox One Elite Controller

Keines der von mir genannten Geräte hat irgendwelche Probleme verursacht. Mein aktuelles Lenkrad (Logitech G920) benötigte nicht mal irgendwelche Treiber oder sonstige Einstellungen im Spiel selbst. Einfach Plug-and-Play. Die Treiber werden natürlich vom Betriebssystem bereitgestellt. Das Spiel jedoch erkennt die angeschlossene Hardware und bietet direkt dafür vorgefertige Konfigurationen an. Ab Kernel 4.11 sollten für Logitech geräte keinerlei sonstige Treiber mehr nötig sein. In Ausnahmefällen, also bei älterer Hardware, ist unter Umständen die Anwendung "joystick" nötig. Feral pflegt eine Liste aller unterstützten Lenkräder und auch der unterstützten Controller.

Leistung, Grafik und Performance

Dass ein aktueller Titel wie dieser, ziemlich leistungshungrig ist, sollte man eigentlich erwarten. Aber hier im Vergleich z.B. zu Dirt Rally -> weit gefehlt! Meine aktuelle PC Konfiguration unter welcher alle Tests durchgeführt wurden:

CPU: AMD Ryzen7 1700X
RAM: Crucial Ballistix DDR4-2400 (8 GB)
Grafik: NVidia Geforce GTX Titan 6 GB
OS: Kubuntu 17.04 (installiert auf Samsung SSD 850 EVO)
HDD: Seagate Barracuda 1 TB

Das Spiel stellt einen spieleigenen internen Benchmark zur Verfügung. Diesen habe ich mit jeder der Vorauswahlen durchlaufen lassen. Wichtig dabei ist: VSync war eingeschaltet und die volle Kantenglättung aktiviert. Mit diesen Voreinstellungen kam ich auf (zuerst) sehr faszinierende Ergebnisse:

Ultra Hoch: 30 FPS
Hoch: 60 FPS
Mittel: 60 FPS
Niedrig: 60 FPS

Faszinierenderweise waren die CPU- und Grafikauslastung unter 70% in der Einstellung "Ultra Hoch". Da war also noch Luft nach oben. Nach der Installation auf der SSD-Festplatte konnte ich die vollen 60 FPS erreichen.

Auf dem zweiten Testsystem mit einer deutlich schwächeren Grafikkarte konnten ebenfalls gute Ergebnisse erzieht werden.

CPU: AMD Ryzen R7 1800X
RAM: 32 GB DDR4 @ 2400
Grafik: NVIDIA GeForce GTX 960 (4 GB)
OS: OpenSUSE Leap 42.3

Hier konnte im Preset "Ultra High" im Benchmark-Modus durchschnittlich 38FPS erzielt werden. Mit VSync dann 28 - 30 FPS.

Das einzige was hier dringend hervorzuheben ist: Nutzt die aktuellsten Grafiktreiber! Veraltete Treiber können zu Grafikfehlern und Performanceeinbußen führen. Feral Interactive nennt in den offiziellen Hardwareanforderungen für Linux als untersten Maßstab eine 2GB Nvidia 680-Grafikkarte oder eine AMD Graphics Core Next (3. Generation, beinhaltet die Chipsätze R9 285, 380, 380X, Fury, Nano, Fury X mit 2 GB VRAM. Empfohlen wird eine NVIDIA Geforce GX 1070 mit 8 GB VRAM. Wichtig dabei ist, dass die NVIDIA-Grafiktreiber in der Version 384.90 vorliegen. Die AMD-Karten sollten mit MESA 17.2.2 laufen.

Spielmodi

Zuallererst muss ich erwähnen, dass alle Strecken in jedem verfügbaren Spielmodus verwendet werden können. Auch Tageszeit und Wettereinstellungen (sonnig, bewölkt, Regen ... ) sind bei jeder Strecke verfügbar. (ausgenommen in der Karriere). Folgende Strecken und Orte sind im Rennkalender 2017 enthalten:

  • Australien GP (Melbourne)
  • China GP (Shanghai)
  • Bahrain GP (Sakhir)
  • Russland GP (Sotschi)
  • Spanien GP (Barcelona)
  • Monaco GP (Monte Carlo)
  • Kanada GP (Montreal)
  • Aserbaidschan GP (Baku)
  • Österreich GP (Spielberg)
  • Großbritannien GP (Silverstone)
  • Ungarn GP (Budapest)
  • Belgien GP (Spa-Francorchamps)
  • Italien GP (Monza)
  • Singapur GP (Marina Bay)
  • Malaysia GP (Sepang)
  • Japan GP (Suzuka)
  • USA GP (Austin)
  • Mexiko GP (Mexico City)
  • Brasilien GP (Sao Paulo)
  • Abu Dhabi GP (Yas Marina)

Diese Strecken können einzeln oder in Turnieren in verschiedenen Modi gefahren werden. F1 2017 bringt euch folgende Möglichkeiten mit:

Karriere

In der Karriere haben wir die Möglichkeit mit den aktuellen Formel 1 wagen (also auch den aktuellen Teams und Fahrern, welche alle lizensiert sind) eine komplette Fahrerkarriere zu durchleben. Diese dauert maximal 10 Saisons an. Die verfügbaren Strecken sind alle aus dem aktuellen Rennkalender der Formel 1. Die Karriere selbst ist enorm detailliert und die Anforderungen unterscheiden sich von Team zu Team enorm. Während Top-Teams wie Ferrari und Mercedes einen Weltmeistertitel bereits in der 1. Saison verlangen, sind die schwächeren Teams wie Sauber oder Renault eher auf Beständigkeit und Entwicklung fixiert. Der Spieler hat auf die Entwicklung des aktuell genutzten Fahrzeugs einen doch sehr großen Einfluss. Alles ist schön detailliert und übersichtlich. Das aktuelle Formel 1-Reglement wurde akribisch ins Spiel übernommen.

Grand Prix

Im Grand Prix Modus hat der Spieler die Freiheit ein Rennwochenende nach eigenen Belieben zu veranstalten. Hier besteht dann auch die Möglichkeit mit Historischen Fahrzeugen zu fahren. Viel mehr braucht man hierzu nicht sagen. Ein Rennwochenende und gut.

Zeitfahren

Im Zeitfahren-Modus, kann man (wie der Name schon sagt) Zeitfahren (Aah, you don’t say) Alle gewerteten Zeiten werden dann auch, je nach Strecke, auf der Weltrangliste vermerkt.

Meisterschaft

Hier läuft das so wie im Grand Prix Modus. Nur dass man sich hier eine komplette Meisterschaft zusammenstellen kann. Auch hier ist es möglich die Historischen Fahrzeuge zu nutzen.

Realismus und Physik

F1 2017 bezeichnet sich selbst als vollständige und tiefgehende Fahr-Simulation, aber stimmt das denn auch?
Von meiner Seite ein ganz klares JA! Alle Fahrzeuge (egal ob aktuell oder historisch) fahren sich sehr gut nachvollziehbar. Straßenunebenheiten, Curbs, Gras und alle anderen Oberflächen fühlen sich so an wie man sich das vorstellt. Beispiel: Bei aktiviertem DRS (Drag Reduction System zum Verhindern von Luftwiderstand) ist ein Unterschied im Lenkradverhalten zu spüren. Somit braucht sich F1 2017 keineswegs vor den anderen etablierten Simulationen zu verstecken und stellt damit unter Linux zweifelsohne (leider auch mangels Konkurrenz, zumindest im Formel 1-Bereich) den realistischten Motorsport-Simulator dar.

Persönliches Fazit

Ich bin selbst nun schon sehr lange im Sim-Racing Bereich tätig. Formel 1 war zwar nie meine erste Wahl, aber dieser Titel hat mich klar überzeugt. Ich (und auch jeder andere Sim-Racing Fan) wird mit diesem Titel einige Stunden an Spielspaß haben. Vom meiner Seite daher eine klare Kaufempfehlung.
Das Spiel ist übrigens für Linux auf Steam und zum selben Preis als Steam-Key direkt im Feral Interactive-Shop zum Preis von €54,99 zu haben. Der Preis ist natürlich recht hoch angesetzt. Dafür erhält man unter Linux einen aktuellen AAA-Titel (der Windows-Release war erst am 25. August 2017) mit herausstechender Grafik der (meiner Meinung nach) sein Geld wert ist.

Ja gibt’s denn auch was Negatives? Ja, … und nein. Einzig die leider relativ magere Streckenauswahl ist als „Negativpunkt“ anzumerken. Ich persönlich hätte mir, passend zu den historischen Fahrzeugen, auch die dazu passenden Strecken (insbesondere Hockenheimring, Nürburgring, etc.) gewünscht.

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