Die Wikinger kommen in Total War Saga: Thrones of Britannia - ein Review unter Linux

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Der neuste Teil der Total War-Reihe und der neuste Spross der Serie der „Total War Saga“, das ist „Total War Saga: Thrones of Britannia“. Es wurde Linux von Feral Interactive auf Linux portiert und am 07.06.2018, knapp einen Monat nach der Windows-Veröffentlichung, für Linux bzw. SteamOS freigegeben. Ursprünglich entwickelt wurde es von Creative Assembly (CA), die für alle Total War-Titel als Entwicklungsstudio verantwortlich sind und die Reihe auch ins Leben gerufen haben.

Sie selbst haben auch Total War: ATILLA auf Linux portiert, die übrigen für Linux verfügbaren Teile wurden jedoch von dem auch für diesen Titel zuständigen britischen Studio Feral Interactive auf Linux gebracht.

Wir haben freundlicherweise einen Key für die Linux-Version von Total War Saga: Thrones of Britannia von Feral Interactive erhalten und konnten daher einen genaueren Blick auf das Spiel werfen. Vielen Dank dafür.

Über das Spiel

Britannia basiert auf einer angepassten Version der Warscape-Engine aus dem Vorgänger Total War: ATTILA.

Es spielt im 8. Jahrhundert nach dem Tod des Wikinger-Anführers Ragnar Loðbrok und der Ansiedelung der Wikingerstämme auf der britischen Insel. Durch die Schwächung beginnt der Kampf um die Vorherrschaft auf der Insel. Gespielt werden können die Englänger, die Waliser, Gallier aber auch die Wikinger.

Systemvoraussetzung, Testmaschine und Vulkan

Minimale Systemvoraussetzungen sind ein Ubuntu 18.04 und ein Intel Core i3-2100 bzw. ein AMD FX-6300. RAM sollten 8 GB vorhanden sein und eure Grafikkarte mit mindestens 2 GB VRAM bestückt sein. Der Grafikkartentreiber für NVIDIA muss mindestens in der Version 390.59 vorliegen. Für AMD-Nutzer sollte Mesa 18.0.0 und noch besser 18.0.4 installiert sein. In jedem Fall muss der Treiber Vulkan können, da diese die ausschließliche Grafikschnittstelle des Spiels ist, wie auch schon bei Rise of the Tomb Raider davor.

Empfohlene Systemvoraussetzung ist ebenfalls das aktuelle Ubuntu 18.04, ein Intel Core i7 3770 oder ein AMD Ryzen 7. RAM bleiben bei 8 GB, jedoch sollte die Grafikkarte 4 GB VRAM besitzen.

Gespielt wird Total War Saga: Thrones of Britannia auf einer OpenSUSE Leap 15 mit Kernel 4.12.4 und NVIDIA 390.67 auf einer NVIDIA GTX 960 (4 GB) und einem AMD Ryzen R7 1800X.

Diese Konstellation wird wegen Erfüllung der formellen Parameter wie Performance-Governor und empfohlene NVIDIA-Treiberversion vom Feral-Launcher nicht angemeckert.

Wer nicht den Feral Game-Mode benutzen möchte und einfach selbst seinen CPU-Governor auf „performance“ stellen will, kann das mit diesem kleinen Scriptlet als Root ausgeführt tun:

for i in $(ls -1d /sys/devices/system/cpu/cpufreq/policy*); do echo "performance" > $i/scaling_governor; done

Grafik

Britannia funktioniert auch auf Intel-Hardware, obwohl nicht offiziell unterstützt, haben wir den Tuxedo von vorherigen Intel-Test herausgeholt und Britannia darauf installiert. Zur Erinnerung, das Spiel unterstützt ausschließlich Vulkan, also müsst ihr euren Intel-Grafiktreiber mit Vulkanunterstützung ausstatten. Wie das geht, erfahrt ihr in dem Low-Spec-Gaming – Intel UHD 620 unter Linux spieletauglich-Test.

In den vom System vorgegebenen Einstellungen ist selbst die Übersichtskarte keine Freude. Im einstelligen FPS-Bereich ist die Intel-Grafik klar überfordert. Auf der Voreinstellung „low“ kommt man auf knappe 15 FPS in der Kampagnie- und Übersichtskarte. Damit kann man arbeiten. In den Schlachten kam das Spiel auch auf knappe 15 FPS, es ist zwar spielbar, aber sobald es zu etwa größeren Aufläufen kommt, ist es auch damit vorbei.

Es sei noch erwähnt, dass offiziell Intel nicht von Feral Interactive unterstützt wird. Dieser Versuch bot sich nur als Ergänzung zu unserem Intel-Testartikel an.

Die Performance mit der offiziell unterstützen NVIDIA GTX 960 (4GB) war hervorragend. Das Spiel hat die optimalen Einstellungen etwas pessimistisch auf „Medium“ ausgewählt. Mit diesen Einstellungen konnte die Testmaschine durchschnittlich 63 FPS im Benchmark erreichen. Dafür sah das aber auch nicht wirklich hübsch aus. Auf Ultra waren dann durchhscnittlich 28.7 FPS möglich, wobei bei 30 FPS wegen Vsync gekappt wurde.

Insgesamt spielt sich das Spiel recht zügig, reagiert gut. Die übliche Punkte bei den Total War-Spielen im Bezug auf die Wartezeit sind leider auch hier weiterhin die Rundenenden mit dem Durchgang durch alle Parteien und die Lade-Wartezeiten vor dem Starten einer Schlacht.

Grafisch gibt es nichts auszusetzen und Feral Interactive hat es geschafft hier auch eine einwandfreie Portierung ohne größere merkbare Reibungsverluste hinzulegen.

Sound

Text und Audio können komplett auf Deutsch gestellt werden. Im Englischen werden jedoch die altenglisch anmutenden Städtenamen gebraucht, was dem ganzen ein wenig mehr Authentizität verleiht. Auch wirkt die Sprachausgabe im englischen Original passend zum Thema origineller und fügt sich besser ein.

Hübsches Spiel, aber…

Nun haben wir die technischen Aspekte insbesondere der Linux-Version besprochen und können uns nun kurz dem Inhalt des Spiels widmen. Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass so eine Spielbeschreibung natürlich nicht ohne persönliche Einflüsse möglich ist. Vielleicht stören euch einige der folgenden genannten Punkte gar nicht so sehr. Das bleibt natürlich jedem selbst überlassen und wenn ihr über die Punkte hinwegsehen können, diese euch nicht so wichtig erscheinen, oder ihr sie so nicht als Problem wahrnehmt: um so besser!

Ich selbst bin ein Fan der Total War-Reihe, und ich warte immernoch darauf, dass Feral Interactive endlich Rome: Total War nicht nur für ipad und iphone bereitstellt, sondern auch für Linux. Das nur nebenbei. :-)

Total War Saga: Thrones of Britannia hat meiner Meinung nach ein ganz großes Übersichtlichkeitsproblem. Mir fehlen an allen Ecken und Enden Informationen, ich verstehe zum Teil nicht warum bestimmte Aktionen passieren, oder mir werden ohne Kontext Dialoge präsentiert, auf denen erst nach höchstintensivem Studium klar ist, was ich wie drücken soll, um mein gewünschtes Ergebnis zu erreichen. Ich habe ganze Armeen verloren, weil das Spiel mir nicht mitgeteilt hat, dass der Weg, den meine Leute nun einschlagen werden, ein kleines Stück über das Meer geht, in dem die feindliche Armee mit einer einfallenden Schiffarmada wartet und meine Leute das Ziel hatten die Stadt zu verstärken. Sie wurden dann in einer – zu meiner Überraschung – Schiffsschlacht gnadenlos niedergemacht. Warum, frage ich mich da. Kann man das nicht grafisch deutlich machen, dass ich nun mich übers Wasser begeben werden?

Ein weiteres großes Problem ist die Darstellung der Armeen und Städte. Beides wird durch einen Kreis mit einem winzigen Zeichen der Armee „deutlich“ gemacht. Da die Grafik in dem Spiel gut ist und detailliert die Wälder Englands darstellt, geht mein representatives Männeken insgesamt im Grundrauschen unter. Städte können auch unterschiedliche Ausbaustufen haben, einige haben Garissonen, wo ich Einheiten verstärken kann. Welche Stadt nun was hat, erschließt sich mir nicht ganz.

In den Städten können die Gebäude aufgewertet werden. Warum einige Städte einige Sachen nicht bauen können, bleibt mir ein Rätsel. Das beim Klick auf ein bestehendes Gebäude oder eine Stadterweiterung nach oben hin die Aufwertungen des Gebäudes anwählbar sein, finde ich ja noch sehr logisch und verständlich. Warum dann ganz oben ein weißes Symbol zum Abreissen dieser Stadterweiterung lungert entzieht sich mir dann schon langsam. Warum dann aber das Reparatursymbol an DERSELBEN Stelle zum Verwechseln ähnlich dargestellt wird, da verlässt es mich.

Dann zeigt einem das Spiel bei jedem Rundenbeginn an, welche Aktionen dringend ausgeführt werden sollten. So werden Regionen genannt, die Aufmerksamkeit bedarfen. Die Namen findet man allerdings nie auf der jeweiligen Karte wieder. In der Detailkarte findet man die Städte der Provinzen, aber nicht die Provinzennamen, die oftmals recht ähnlich sind, aber sich zum Teil über mehrere Regionen erstrecken. In der mit Tab erreichbaren Übersichtskarte (und einer ziemlich grobpixeligen Karte Englands) findet man nur die Regionsnamen, die man dann aber auf der Übersicht nicht mehr wiederfindet, wenn man händisch nachgucken möchte. Klickt man dann eine Siedlung an, öffnet sich eine Stadtinfo, die den Namen der Region trägt. Sehr verwirrend, finde ich.

Den Schlusspunkt bildet dann das Persönlichkeitsmanagement. Man hat ein Dutzend Untertanen, die man aber nur schwer wiederfindet und meistens als aufploppende Charakterkarte ohne Kontakt präsentiert bekommt. Wo diese Leute eingesetzt sind ist mir bis heute ein Rätsel.

Bei den Kämpfen in der Übersichtskarte reicht es wenn eine Armee eine Siedlung nur betritt. Diese geht dann automatisch in den Besitz der Angreifer über. Das nervt nur, man spielt schließlich Total War und nicht Risiko.

Ich mag Spiele wie Crusader Kings II und Europa Universalis IV, wo einem viele Informationen kompakt präsentiert werden. Das Informationsdesign schwierig ist, ist klar, aber solche Sachen hätten den Beta-Testern doch auffallen müssen.

Diese Punkte haben mir den Zugang zum Spiel doch arg erschwert. Schafft man es darüber hinwegzuschauen, erhält man ein Spiel, dass sich gut in die Zeit um 800 nach Christus in die Zeit der Wikingereroberungen um Britannien einfügt.

Neulinge in der Total War-Reihe sollten sich jedoch eventuell erstmal bei einem einfacher zugänglicheren Titel die Nestfedern rupfen lassen.

Kaufen

Es ist auf Steam, im Humble Store und direkt bei Feral Interactive im eigenen Feral-Shop als Steam-Key zum Preis von €39,99 verfügbar. Es braucht knappe 12 GB auf der Festplatte.

Fazit

Technisch erhält man einen von Feral Interactive einwandfreien portierten Titel der Total War-Reihe. Das die Portierung auf stabilen Füßen steht sieht man auch daran, dass es auf nicht unterstützen Plattformen (OpenSUSE, Intel-Grafik) läuft. Inhaltlich ist es natürlich stark Geschmackssache, erfahrenen Total-War-Veteranen bietet sich hier eine interessante Zeitperiode.

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